Retrospektive Frankfurt – Der Tragödie letzter Teil

„Du willst es doch auch.“

(Lebensfreude pur)

Sehr schön war der Brigadeausflug nach Frankfurt. Danke noch einmal ganz offiziell an Peter, Chrissi und Melli. Es war einer der gepflegten Herrenausflüge, die die Mitgliedschaft in unserer Brigade so attraktiv machen. Ein ausgefeiltes Kultur-Programm hatten sich die bereits erwähnten Wahl-Frankfurter einfallen lassen. Noch vor dem Spiel ging es am Samstag ins Senckenberg-Museum, um unsere und Ronnys Vorfahren zu studieren. Kurz entschlossen haben wir dann noch vor dem Spiel das Goethe-Haus besucht und dort intensiv die Faust’sche Verblendung im Kontext des aktuellen Menschseins diskutiert. Schnell waren wir einer Auffassung, dass die Intention Goethes es nicht gewesen sein kann, dass wir uns die Verblendung des Geistes gegenseitig vorwerfen. Diese Art von Verblendung gehört zu unserem Dasein, davon war die Reisegesellschaft überzeugt. Somit ist es unsinnig, ausgerechnet im kommerziellen Fußball anti-faustische Helden zu verlangen.

Inside Kopfschmerzbank-Arena

Inside Kopfschmerzbank-Arena

Im Zuge dieser nüchternen Erkenntnis ging es dann zum Estadio in den Frankfurter Stadtwald. Das Spiel in der Kopfschmerzbank-Arena war lausig und bot letztlich nur traurige Helden auf. Unsere Hertha trickste sich gegen defensive Frankfurter bereits in der 36. Minute mit einer unfreiwilligen Vorlage von Skjelbred auf den Frankfurter Meier selbst aus. Das 1:0 der Zwietracht hielt bekanntlich bis zum bitteren Ende. Den zweiten und letzten Höhepunkt im Spiel bildeten dann die Ereignisse in der 72. Minute. Ramos dringt gegen Zambrano in den Strafraum ein. Dabei bekommt er den Ellenbogen seines Gegenspielers ins Gesicht. Schiedsrichter Dr. Drees gibt den fälligen Elfmeter aber nicht und lässt Zambrano weiterspielen. Ronny regt sich daraufhin auf und schubst Russ weg, wofür er die Gelbe Karte sieht. So ungerecht kann es zugehen.

Nach dem Spiel gab es jedoch keine Zeit zur Trauer. Schnurstracks ging es zu einer Performance nach Bernem. Bei kulinarischen Köstlichkeiten aus der türkischen Küche gab es dann auch die ersten sinntrübenden Getränke. Der unsichtbare Künstler, dessen Glaskunst mehrfach in den Mittelpunkt unserer Perspektive gestellt wurde, beschränkte sich in seinem Werk fast aus­schließ­lich auf die Grund­ele­mente der lebendigen Ge­stal­tung — Gefäß, Inhalt, Hebel, Leere. Schon nach kurzer Zeit ließ sich die Brigade anstecken und wurde in pu­ris­ti­scher Strenge in die Performance eingebunden. Es entwickelte sich ein eigentümliches Abbild der eigenen Wirklichkeit, was sich dem Betrachter und aufmerksamen Zuhörer insbesondere in zahllosen Gesprächen mit dem Frankfurter Bildungsbürgertum in den lokalen Kunststätten “Lebensfreude pur” und “Straßenbahn” manifestierte. Mit einem tiefsitzendem Stachel lässt sich wohl am ehesten die Seele des Frankfurters beschreiben, wenn dieser sich ernsthaft um eine blau-weiße Retrospektive bemüht.

Nach dieser geistig erfüllten Nacht traten René, Marcello und der Redakteur gegen Mittag des nächsten Tages die Rückreise ins heimatliche Berlin an. Mit null Punkten im Gepäck und behindert durch Schneefall nahm uns eine widerspenstige Windschutzscheibe immer wieder die Sicht auf die Welt. Sechs Tage später ist der zwischenzeitlich geklärte Blick wieder auf das nächste Spiel gerichtet. Nürnberg gilt es am Sonntag zu schlagen. Wieder eine Chance um der Geburt wahrer Helden beizuwohnen. Ha, ho, he!

Wir widmen diesen Beitrag unserem Gastgeber Peter und gratulieren ihm ganz herzlich zu seinem heutigen Geburtstag! (jö)

 
Jörsch posted at 2014-1-31 Category: Hertha BSC

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