Brigade Pankoff betont die eigene Systemrelevanz

 

“Der Bock ist jenes Tier, welches auch als Bier getrunken werden kann.”

(Wilhelm Busch)

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Quelle: Herrentoilette in der Straßenbahn

Der letzte große Vereinserfolg der Frankfurter Eintracht stammt aus der Saison 1993/94 als der Ausnahmespieler Antony Jeboah mit 18 Treffern zum zweiten Mal in Folge Torschützenkönig der ersten Fußball-Bundesliga wurde. Die einzige Deutsche Meisterschaft des Vereins datiert aus dem Jahre 1959. Der UEFA-Cup wurde 1980 gewonnen und den DFB-Pokal gewann die Zwietracht 1988 das vierte und vorerst letzte Mal. Der Zenit der Vereinsgeschichte scheint also längst überschritten. Das sieht bei Hertha BSC selbstverständlich ganz anders aus und lässt uns erfolgsverwöhnte Hertha-Fans recht optimistisch in die Zukunft schauen. Die großen Dinger kommen noch, wartet es einfach mal ab! Da also in Verbindung mit dem 6:1-Hinspielerfolg der alten Dame im Frankfurter Stadtwald am nächsten Wochenende kaum was anbrennen kann, möchten wir unsere Aufmerksamkeit den Besonderheiten der Stadt unseres nächsten Gastgebers widmen.

Klammern wir den Handkäs mit Musik einmal aus, dann gibt es noch vier weitere Begriffe die unverwechselbar mit Frankfurt am Main verbunden sind. Da wären der Äppler, der Geheimrat Goethe, der Flughafen und die Banken. Mehr fällt uns in der Redaktion erstmal nicht ein. Dem Äppelwoi hatten sich die Mitglieder der Brigade bereits anlässlich ihres letzten Tripps in die Bankenmetropole ausführlich gewidmet. Hier sollten wir nichts nachtragen. Johann Wolfgang von Goethe ist uns allen aus dem Deutschunterricht in bester Erinnerung und da er ja letztlich das Städtchen Weimar der schillernden Mainmetropole vorzog, muss man in dieser Beziehung nicht zu viel Aufhebens um die wenigen Häuserzeilen rings um den Römer machen. So bleiben uns nur noch die Themen Flughafen und Banken. Dass die Stadt Frankfurt anders als Berlin Flughafen kann, ist landauf und landab bekannt. Ständig werden neue Start- und Landebahnen an den Fraport getackert und mit 57,2 Millionen Passagieren und 2,2 Mrd. Tonnen Luftfracht ist dieser Flughafen auf Platz 3 in Europa bzw. sogar Europameister bei der Tonnage. Da bleibt uns Berlinern schlicht die Spucke weg. So dynamisch kann es  auf einem Flugfeld zugehen. Wir müssen geduldig sein, dann dauert es nicht mehr lange. Macht ja nichts, wenn der Steuerzahler bei uns Euro für Euro in den märkischen Sand pumpt. 1,7 Mrd. Euro sollten es mal ursprünglich sein, seit November 2013 wissen wir, dass es mindestens 5,7 Mrd. Euro sein werden und ein Eröffnungstermin ist immer noch nicht in Sicht. Davon lassen wir uns vor dem Spiel gegen die Zwietracht jetzt aber nicht runterziehen. Denn auch als Berliner kann man erhobenen Hauptes in diesem Land verreisen. Wir müssen keinesfalls in Sack und Asche gehen. Andernorts wird auch viel Geld verbrannt. Bezogen auf Frankfurt fällt uns spontan das Stichwort “Bankenrettung” ein. Zwischen 34 bis 52 Mrd. Euro wird die Bankenrettung den Steuerzahler kosten, so schätzen Experten. Ok, hier darf Berlin aufgrund der gerade zu Grabe getragenen Bankgesellschaft auch keine großen Töne spucken, aber die Redaktion wittert Morgenluft. Schon Martin Luther hat die Stadt Frankfurt am Main schließlich als “Silber- und Goldloch” des Deutschen Reiches entlarvt und seitdem hat sich nicht viel verändert. In Frankfurt stehen nämlich immer noch unzählige Banken herum. Ein besonders bemitleidenswertes Exemplar darunter ist mit der Commerzbank schnell gefunden. Durch privates Missmanagement dümpelte diese seinerzeit noch als systemrelevant geltende Bank im Jahr 2008 todkrank vor sich hin und erhielt vom Steuerzahler ohne Gegenleistung mal eben 18,2 Mrd. Euro. Im Frühjahr 2012 stellte sich dann etwas zu spät heraus, dass diese Bank gar nicht systemrelevant ist. Egal, mit dem Geld hätten wir Berliner bestimmt oder eher sogar vielleicht zwei Flughäfen bauen können und es wäre danach dann wohl noch Geld für eine Imbisswagen-Standplatz vor dem Haupteingang übrig geblieben. Mit diesem Bewusstsein sollen unsere Fans am Samstag mit stolzgeschwellter Brust feierlichen Einzug in die Kopfschmerzbank-Arena halten. Immer schön dran denken: Herthaner sind garantiert systemrelevant und verlieren sich ebenfalls nicht im Klein-Klein. Nebenbei gefragt: Wer ist eigentlich dieser Steuerzahler? Wenn den jemand treffen sollte, dann ladet ihn mal mit ins Kissingeneck ein. Der scheint so großzügig, dass er bestimmt alle unsere Deckel zahlt.

Ach so! – Wie die Redaktion aus gewöhnlich gut unterrichteten Kreisen weiß, wird das Gros der stolzen Brigade am Samstag im Kissingeneck in die Röhre schauen. Mit  Marcello, René und dem Redakteur dieses Anschnur-Magazins werden zur selben Zeit jedoch die wohl auswärts-erfahrendsten Brigadisten im Gästeblock der Kopfschmerzbank-Arena die Hertha vehement unterstützen. Schön, dass die beiden Lokalmatadore Peter und Chrissi die Getreuen mit in den Stadtwald begleiten. Für die Spieltags-Analysen im Kissingeneck und in der Mainmetropole gedenken wir dann hoffentlich gleichermaßen der großen Worte des unvergessenen Heinz Schenk: “Trinke nie zuviel, denn die letzte Flasche, die umfällt, könntest du selber sein.” (jö)

Hertha bleibt Angstgegner des BVB

 

„Bei einem Fußballspiel verkompliziert sich allerdings alles durch die Anwesenheit der gegnerischen Mannschaft.“

 (Jean-Paul Sartre)

Vorweihnachtliche Bescherung in Westfalen.

Vorweihnachtliche Bescherung der Brigade Pankoff in Dortmund.

Dank Detter kamen die Brigadisten M. und der Autor dieser Zeilen in den Genuss zweier Karten für das Rückrundenendspiel unserer Hertha gegen den BVB inklusive An- und Abfahrt mit dem HFC Blue Dolphins. Für beide Protagonisten soll es eine Wiedergutmachungstour werden, für den Autor aufgrund seiner vergebenen Chance auf einen Artikel über den Motorradausflug zum Spiel nach Fallersleben, für M. die Gelegenheit nicht nur Anreisen, sondern auch einmal die Abreise im Fanbus statt im Nachtzug nach Moskau erleben zu dürfen. Während der Autor sich mit diesem Artikel um Wiedergutmachung bemüht, hatte M. sich entschlossen, dies auf ein anderes Mal zu verschieben. Jedenfalls konnte er am Treffpunkt der drei Dolphins-Busse nicht ausgemacht werden. Schlaftrunken getätigten, verzweifelten Telefonanrufen bleibt die Annahme verwehrt. Die Suche mittels Brigadechat erbringt Vieles nur keine sachdienlichen Hinweise. So machen wir uns gegen 6 Uhr morgens voller Sorge um den Verbleib M.’s auf den Weg nach Dortmund.

Die guten Vorsätze sich frühestens mittags alkoholischen Getränken zu nähern, werden nach zugegeben kurzer Karenzzeit über Bord geworfen. Der Verbrauch von Gerstensaft und Klopfern nimmt für samstagsvormittägliche Verhältnisse imposante Ausmaße an. Dem wird mit stündlichen Stopps an diversen Rastplätzen Rechnung getragen. Nachdem der businterne Stimmungspegel parallel mit der Lautstärke der von Fanhand verlesenen Musik steil ansteigt, die Musikanlage dem nicht gewachsen ist und zudem in seinem Rücken alkoholgeschwängerte nicht Ende wollende lautstarke Monologe geführt werden, sieht sich der Autor genötigt, die vorsorglich und nur für den Notfall mit sich geführten Ohrstöpsel anzulegen. Überrascht stellt er fest, dass er auch so ausgerüstet sowohl Musik als auch Gesprächen noch bestens folgen kann. Nach wohldosiertem Genuss der bereits genannten flüssigen Köstlichkeiten kann auf den weiteren Einsatz solcher Hörschutztechnik verzichten werden.

In Sichtweite des Stadions reicht die Zeit gerade noch aus, um sich mittels im Repetitorium mühevoll erlernter Techniken den Namen unseres jungen Torwarttalents Marius Gersbeck einzuprägen, verbunden mit einem Stoßgebet, dass sein Einsatz gut gehen wird.

Der Empfang der Heimfans am Signal Iduna Park verläuft entspannt und freundlich. Ist es vorweihnachtlich. Für unsere leise artikulierte Erwartung nach einem guten Ausgang des Spiels ernten wir mitleidsvolle Blicke der Borussenfans. Die ganz Mutigen unter uns Businsassen tippen auf einen Sieg unserer Blau-Weißen. Nostalgisch wird vom 1:2 in Dortmund nach dem ersten Wiederaufstieg erzählt.

Der Eintritt ins Stadioninnere sorgt dafür, dass jedenfalls dem Auswärtsfan ein Schauer über den Rücken läuft. 80.000 Zuschauer, darunter wohl 5.000 Herthafans! Und was für eine Premiere für Gersbeck! Er beginnt das Spiel mit den 25.000 BVB-Fans der gelben Wand im Rücken. Dass er unter diesem Eindruck kurz nach Spielbeginn, übermotiviert aus dem Kasten stürmt und so das 1:0 für die Borussia zumindest mitverschuldet, sei ihm verziehen. Danach zeigt er sein zu erahnendes Vermögen auf eine große Torwartkarriere und spielt fehlerfrei. Überhaupt liefert die Mannschaft ein feines Spiel ab. Hier Einzelne hervorzuheben, ist vielleicht ungerecht, aber dennoch: Allagui macht mit seiner Einsatzfreude, seiner Torvorlage für Ramos sowie seiner Ballereroberung, Torwartverlade und Tor sein bislang bestes Saisonspiel!

Auch in der schier endlos erscheinenden Nachspielzeit mit der verzweifelt anrennenden Borussia lässt sich der BSC den Sieg schließlich nicht mehr nehmen und wir Fans liegen uns nach dem Schlusspfiff überglücklich in den Armen. Unser Torwartnewcomer lässt es sich anschließend nicht nehmen, über den Zaun zu klettern und mit uns Fans zu feiern. Was für ein Tag! „Euuuropapokaaal, Euuuropapokaaal,…!“

Heiser und zufrieden treten wir die Rückfahrt nach Berlin an.

Ach ja, wer sich noch Sorgen um M.’s Verbleib macht: Alles ist gut. Er verbringt die Weihnachtszeit geborgen in seiner Familie. (Re)

Gersbeck, du bist ein Teufelskerl!

 

 „…Entschuldigen Sie die Begeisterung, die Fußballlaien werden uns für verrückt erklären …“

(Herbert Zimmermann)

Super-Marius gibt eine Zugabe.

Super-Marius gibt eine Zugabe.

Was hat uns der Weihnachtsmann denn da für ein dickes Geschenk unter den Baum gelegt. Hertha BSC gewinnt als Aufsteiger beim Champions-League-Finalisten Borussia Dortmund mit 1:2 (1:2) und hat damit fantastische 28 Punkte in der Hinrunde gesammelt. Danke an René und Marcello, die ihren Support nach einigen Irrungen und Wirrungen dann wohl doch im Westfalen-Stadion leisteten. Die alte Dame überwintert jetzt auf Platz 6 der wohl besten Profiliga der Welt. Wir sind völlig aus dem Häuschen. Der optimistischste Tipp in der Brigade gestand zum Saisonbeginn Hertha BSC Tabellenplatz 7 zu. Der Rest der Truppe wollte nur den Abstieg vermeiden. Doch nach 17 von 34 Spieltagen stehen ganze 12 Vereine im Oberhaus des deutschen Fußballs hinter Hertha BSC. Kompliment an Jos Luhukay der auch nach dem Sieg in Dortmund gelassen blieb und zurecht die Teamleistung als ausschlaggebend für den Erfolg seiner Jungs hervorhob. In Dortmund stand aber dennoch ein Spieler allein und aus Sicht der Redaktion absolut verdient im Mittelpunkt des Medieninteresses: Marius Gersbeck. Er wurde in 90 Minuten zum Fußballhelden. Unglaublich: Als sich Stammtorhüter Thomas Kraft letzten Mittwoch das Knie verdrehte, schienen für die alte Dame alle Lichter auszugehen. Doch erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Marius Gersbeck wurde von Jos Luhukay in die Startformation gegen Borussia Dortmund berufen. “Marius wie?”, war die erste Frage. Ihn kannten vor einer Woche die wenigsten von uns. Dann folgten die Fakten: Marius Gersbeck (18 Jahre, 1,87 m, 80 kg) ist seit 2005 Herthaner. Zuvor spielte der Ur-Berliner beim SC Siemensstadt und bei Brandenburg 03. – Ah ja. – 2012 wurde Marius Gersbeck Deutscher Meister mit der B-Jugend der Hertha. – Hut ab. – Hertha BSC ist seine Herzensangelegenheit. – So soll es sein. – Dann ein persönliches Zitat: “Wenn ich selber kein Spiel habe, stelle ich mich – wie die anderen Verrückten – in die Ostkurve oder fahre zu den Auswärtsspielen mit, weil ich halt so groß geworden bin und dafür lebe.“ – Wahnsinn, der Junge ist einer von uns! – Doch dann beschleichen uns bis zum Spieltag zunehmende Zweifel an seiner Nominierung. Hoffentlich behält der junge Bursche vor über 80.000 Fans in Dortmunds Hexenkessel die Nerven. In Spielminute 7 scheint der Traum zu platzen, denn bereits die erste Bewährungsprobe vergeigt Marius Gersbeck und Marco Reus nutzt dies ganz abgezockt zur 1:0-Führung aus. Das war dann aber der letzte Patzer. Super-Marius wuchs zum Torwart-Titan und vereitelte jede weitere Chance des Gegners mit Bravour. Im Angriff der Hertha überzeugte ein hellwacher Allagui der das 1:1 durch Ramos vorbereitete und selbst das 1:2 noch vor der Pause nach einem starken Dribbling markierte. Da in Halbzeit 2 keine weiteren Tore mehr fielen, war die 2:1-Sensation perfekt. Nach seinem ersten Profieinsatz kletterte Torwartazubi Marius Gersbeck dann auf den Zaun des Gästeblocks, schnappte sich das Megafon und sprach aus, was an diesem Nachmittag alle Hertha-Fans fühlten: „Hier regiert der BSC! Hier regiert der BSC.“ Gersbeck, du bist ein Teufelskerl! Wer hätte an einem Tag, der mit der Frage “Wo ist Marcello?” startete, wirklich an ein solches Happyend geglaubt? Für solche Momente ist man Fan. (jö)

Brigade Pankoff klärt auf: Bremer trinken kein Wasser aus der Weser!

 

“Man kann die Erkenntnisse der Medizin auf eine knappe Formel bringen: Wasser, mäßig genossen, ist unschädlich.”

(Mark Twain)

Fair, ausgewogen und parteiisch in Sachen Hertha wollen wir sein. Einverstanden. Aber warum in aller Welt hacken Teile der Brigade nach einer ausgelassenen Weihnachtsfeier bei Bulette und Kartoffelsalat und einem mit Ach und Krach mit 3:2 (2:2) mal soeben noch gewonnenen Spiel so unsensibel auf den Fans von Werder Bremen herum? Ausgelassenes Feiern ist ja verständlich, aber das der Redaktion zu Ohren gekommene Gegner-Bashing in Nahdistanz zum Webmaster dieses Anschnur-Magazins ist kaum zu verstehen. Wir wollen unsere Motivation vor allem aus dem Positiven unserer alten Dame schöpfen und definieren uns nicht über die Ablehnung des Gegners. Das Antisein überlassen wir Anhängern von Clubs, die hier nicht erwähnt werden müssen. So sieht die Redaktion das Selbstverständnis der Brigade Pankoff. Das Auftreten nach dem Spiel gegen Bremen war dem Bericht unseres jüngsten Brigademitglieds zufolge wenig dazu geeignet, um dieses Selbstverständnis zu untermauern. War es Hochmut? Hoffentlich nicht, denn danach kommt bekanntlich der tiefe Fall. Oder war es eher die Nervenanspannung, vielleicht sogar auf beiden Seiten? Dann war es ein Missverständnis und wir sollten die Angelegenheit möglichst schnell vergessen. Die Redaktion war nicht dabei und darf sich schon deshalb kein Urteil erlauben. Wir hoffen aber auf die Einsicht aller Beteiligten und wissen nur Eines: Unser Webmaster verdient den besonderen Respekt der Brigade. Ein Ordnungsruf ist wohl legitim.

Ausgezeichnete Wasserqualität der Bremer Badestellen

Ausgezeichnete Wasserqualität der Bremer Badestellen

Als seriös recherchierendes Anschnur-Magazin wollen wir zudem mit einer gravierenden Fehlinformation aufräumen, die sich durch die Vermittlung Hamburger Liedgutes in der Brigade Pankoff just zu diesem Heimspiel breitgemacht und ganz wesentlich zu dem o. g. Missverständnis beigetragen hat. Abbitte ist angesagt, denn Bremer trinken überhaupt kein Wasser aus der Weser! Das Bremer Trinkwasser wird nämlich zu 100 Prozent aus Grundwasser gewonnen. Zu den näheren Fakten gehört, dass die swb (Stadtwerke Bremen) in Bremen-Blumenthal ein Wasserwerk betreiben, dass aus 12 Tiefbrunnen jährlich circa 5,5 Millionen Kubikmeter Wasser fördert (Stand Ende 2012). Das sind knapp 16 Prozent des Trinkwasserbedarfs in Bremen. Die restlichen gut 84 Prozent kommen aus dem niedersächsischen Umland. Das Trinkwasser, so wie es an die Haushalte geliefert wird, wird in Bremen streng kontrolliert und hat eine einwandfreie Qualität. Zur Weser ist zu sagen, dass der Fluss selbst noch im Zentrum Bremens eine ausgezeichnete Badewasserqualität besitzt. Damit sich die Brigade Pankoff ein Bild vor Ort machen kann, schlägt die Redaktion zum Rückspiel am 3. Mai 2014 einen Trip in die Hansestadt vor. Unser Webmaster sollte dann als Ortskundiger von uns in allen Belangen schadlos gehalten werden. Ehrensache. (jö)

Brigade Pankoff will raus aus den Schulden

 

“Was Wachstum schafft, darf sehr wohl mit Schulden finanziert werden.”

(Helmut Schmidt)

Clever: Schuldenfrei dank Flaschenpfand

Ein langes Wochenende steht bevor. Es ist nicht länger als all die anderen Wochenenden. Allerdings ist die Wartezeit bis zum Anstoß des Spiels unserer Hertha in Braunschweig sehr lange. Wir wollen Hertha endlich wieder siegen sehen und müssen noch bis 17.30 Uhr am Sonntag ausharren. Gemein ist das. Was soll man bloß tun? Das nervöse Kribbeln in den Fingern bringt uns auf eine Idee. Die Redaktion stellt sich die Frage, mit welchen Stromkosten die meist nur mäßig gefüllte Schatulle der alten Dame in einem Heimspiel eigentlich belastet wird. Leider werden wir trotz umfangreicher Recherchen zu dieser Frage im Netz nicht fündig. Wir beschäftigen uns zufällig mit Themen wie der Strompreisbremse, die nun dank der Groko doch nicht so richtig kommen soll; jedenfalls keine echte. Die Energiefresser sollen weiter subventioniert werden. Weiter ist zu lesen, dass der Stromüberschuss in Deutschland gigantisch sein soll und der Strompreis deshalb eigentlich nicht steigen müsste. Das sei unsozial und macht uns betroffen. Beim Blick ins Erneuerbare-Energien-Gesetz müssen wir feststellen, dass es sich bei den Mitgliedern der Brigade Pankoff wohl durchgängig um “nicht-priviligierte Letztverbraucher” handeln dürfte. Das schmeichelt dem eigenen Ego nun nicht gerade, zeigt aber auf wie die Politiker und Technokraten über uns denken. Dann schlägt auf einmal ein Blitz in die eher dröge Nachrichtenlage ein: Im Olympiastadion wurden beim Restaurantumbau sage und schreibe ganze 90 Lampen durch LED-Leuchtmittel ersetzt. Da kommt ganz schön was zusammen. Mit zwegatschem Eifer wollen wir es jetzt ganz genau wissen. Wir rechnen das mal durch: Brennt eine 60-Watt-Glühbirne 5 Stunden an einem Heimspieltag, verbraucht sie etwa 5,1 Kilowattstunden in einer Saison. Bei einem Strompreis von 0,29 Euro pro Kilowattstunde ergäbe das Stromkosten in Höhe von 1,48 Euro. Eine vergleichbare LED-Lampe verbraucht dagegen nur ca. 10 Watt. Der  Stromverbrauch pro Saison liegt damit nur bei 0,78 kWh und die Stromkosten sind mit 0,23 Euro um ein Vielfaches kleiner. Rechnet man diesen Vorteil auf die 90 neuen Leuchten im Restaurant des Olympiastadions hoch, kommt man zu einer satten Entlastung von 112,50 Euro pro Bundesligasaison. Und da sind die DFB- und Europapokalspiele der Hertha nicht mal mit eingerechnet. Das könnte bei entsprechender Verwendung dazu führen, dass die Schulden der alten Dame in Höhe von etwa 37,35 Mio. Euro schon in 332.000 Jahren nur noch der Schnee von gestern sind. Wir überlegen weiter und stellen fest, dass es mit dem folgendem Konzept sogar noch viel schneller ginge: Mal unterstellt, dass pro Heimspiel etwa 10.000 Getränkeflaschen im Umkreis des Estadio konsumiert, anschließend eingesammelt und 1:1 zum Schuldenabbau verwendet werden, dann brächte das pro Saison bei einem Pfanderlös von 0,08 Euro je Flasche stolze 13.600 Euro in die Vereinskasse. Hertha wäre so schon nach etwa 2.746 Jahren aller Sorgen entledigt. Da kommt Freude auf. Wer ruft Ingo Schiller an und bringt am Sonntag den Flipchart mit ins Kissingeneck? (jö)

Lautern erreicht in offener Stellvertretung das Viertelfinale im DFB-Pokal

 

“Schließ mich, so streng du willst, in tausend Eisen ein, ich werde doch ganz frei und ungefesselt sein.”

(Angelus Silesius)

würfel cube geil 3D“Oh wie ist das schön. Sowas hat man lange nicht gesehen, so schön, so schön”, skandierte gestern gegen 20.45 Uhr der Gästeblock in der Alten Försterei in Köpenick. Mit René, Marcello und Jungbrigadier Basti ging es zum gemeinsamen Support für die Roten Teufel in die Herzkammer des prominentesten Lokalrivalen der alten Dame. Die Anreise mit der S-Bahn verlief störungsfrei und bis auf ein paar Frotzeleien fühlte man sich auch als Gästefan respektiert. Auch wenn die folgenden Sätze in der Brigade-Pankoff kaum auf Verständnis stoßen dürften, die Redaktion bringt diese Worte trotzdem zu Papier: Chapeau vor den Eisernen. Warum das? Die Alte Försterei ist schon etwas ganz Besonderes im Vergleich zu den durchgestylten Musicaltheatern der etablierten Starensembles. Durch die Nähe zum Spielgeschehen, leidenschaftliche Fans und den Verzicht auf dröge Werbestatements konnten wir den Fußball auf dem Platz authentisch und in vollen Zügen genießen. Danke ihr Eisernen für dieses Gänsehaut-Feeling. Einzig euer Maskottchen wirkt vielleicht etwas blass. Aber genug der Lobhudelei. Das Geschehen des Pokalfights selbst verlief recht einseitig. Die roten Teufel, die ja eigentlich nur aufgrund einer großzügigen Geste der Hauptstadtclubs Nummer 1 – quasi in dessen Vertretung – dieses Achtelfinale im DFB-Pokal erreichten, überzeugten mit einem bärenstarken Auftritt. Herthinho hätte seine wahre Freude am Auftritt der Lautrer gehabt. Die Betzebuben ließen Ball und Gegner laufen und waren sichtbar überlegen. Erst in der zweiten Halbzeit konnte Union durch die Umstellung des Spielsystems für etwa 20 Minuten Druck auf das Gehäuse von Tobias Sippel aufbauen. Lautern attackierte allerdings auch in dieser Phase früh und störte so die Aufbauarbeit der Rosties. Letztlich vertraten die Pfälzer Hertha BSC erfolgreich und gewannen völlig verdient mit 0:3 (0:2). Auf dem anschließenden Heimweg mit dem “Fiaker” ins Kissingeneck ließ René kurz den Spruch vom “Eurroppapookaal” aufflammen. “Nur noch zweimal gewinnen und Lautern wäre dabei,” war der famose Gedanke der Redaktion. Warum nicht mit Hertha BSC gemeinsam in den Europapokal? Der DFB-Pokal ist schließlich der kürzeste Weg dorthin. (jö)

Brigade Pankoff wünscht allen echten Fußballfans einen besinnlichen Advent

 

“Der gesunde Menschenverstand ist blind sowohl für das äußerst Böse wie für das höchst Gute.”

(Karl Jaspers)

Brigade Pankoff wünscht eine teuflisch gute Adventszeit.Da haben wir uns im vorletzten Beitrag der Münchner Schickeria gewidmet und dachten schon, dass man nicht tiefer sinken kann. Doch am Sonnabend tigerte die Redaktion zusammen mit Webmaster Andreas in die heimliche Weihnachtsmetropole Dresden. Danke Andreas, dies rechnen wir Dir sehr hoch an. Schon sehr früh am Morgen wurde klar: Auf die heutige Jugend kann man nicht wirklich bauen. Und früher war sowieso alles besser. Was war passiert? Chrissi, der die Redaktion in die so schön von Canaletto porträtierte Stadt eingeladen hatte, dehnte seine Tiefschlafphase aus und zog einen Samstag im heimischen Frankfurt vor. Nun gut 8.46 Uhr ging es vom Hauptbahnhof Berlin nach Dresden, um den Auftritt der roten Teufel im Block S der Glücksgas-Arena zu unterstützen. Der 1. FC Kaiserslautern konnte im Tal der Ahnungslosen seine am Wochenende zuvor erlangte Tabellenführung untermauern. So war unsere Erwartungshaltung. Doch es kam wie immer ganz anders. Die roten Teufel verpassten nach einem guten und spannenden Match den für die Herbstmeisterschaft so wichtigen Dreier. Ein unnötiges 2:3 (1:1) gegen die schwarz-gelbe Koalition der Unvernunft stand am Ende auf dem Papier. Doch die Bilder auf dem Platz waren nicht das Erschreckende. Unwürdig waren die Bedingungen im Umfeld des Stadions. Auf dem Hinweg vom Hauptbahnhof zur Arena nutzten wir die Straßenbahnlinie 10. Den Lauternschal elegant um den Hals geschlungen, verlief das bis auf irritierte Blicke ganz reibungslos. “Also hier wird Vieles übertrieben”, waren die ersten Gedanken. So schien es für etwa dreißig Minuten. Dann aber mussten wir dank des seltsam zu durchschauenden Sicherheitskonzeptes der Behörden von der Stadion-Haltestelle über einen schmalen Pfad, der durch einen undurchsichtigen Park führt, zu unserem Gästeblock. Wir begegneten dort einer vagabundierenden Schar kahl geschorener aufrechter Teutscher, die unschwer als hipper NSU-Nachwuchs zu erkennen waren. Nachdem die Bande schon zu drei Vierteln an uns vorbeigezogen war, nahm ein ganz aufgewecktes Kerlchen mit seinem sicheren Gespür für Minderheiten all seinen Mut zusammen und riss dem leitenden Redakteur seinen Lauternschal vom Halse. Diesen führte er dann laut johlend als Trophäe weiter mit sich und gab ihn nicht mehr her. Von seinem tapferen Kameraden gab es anschließend noch einen Faustschlag in die Bauchgegend, der Dank der Winterkleidung wenig Wirkung erzielte. Da der Rest der aufrechten Truppe enteilte, konnten wir uns der Fürsorge der beiden Kameraden relativ schnell entziehen. Der nahende Gästeblock S glich glücklicherweise einem Hochsicherheitstrakt, der neben einer robusten Umzäunung zusätzlich von einigen Hundertschaften der Bereitschaftspolizei umstellt war. Die Atmosphäre in der Kampfsportstätte war durch die hasserfüllten Chöre und Gesten der schwarz-gelben Frontmacher geschwängert. Die Stimmung im Lauternblock dennoch gut. Für den Rückweg zum Hauptbahnhof bevorzugten wir nach den Grenzerfahrungen auf dem Hinweg die Nutzung der eigens für die Gästefans bereitgestellten Shuttlebusse. In diesen fuhren jeweils etwa fünf uniformierte Polizisten zum Schutz der Gästefans mit. Dem Konvoi fuhren mehrere Polizeifahrzeuge voraus und mindestens ebenso viele schlossen sich als Backup an. Unwürdig, ein solches Szenario in einer deutschen Großstadt, die sich eigentlich um ein weltoffenes Image kümmern müsste! Solch ein Publikum hat nichts, aber auch gar nichts im Profifußball zu suchen. Außer der Erweiterung des Erfahrungshorizontes blieb der Erfolg in Dresden auf der ganzen Linie aus. Leider konnte auch die alte Dame am Nachmittag mit einem mageren 0:0 gegen die Puppenkiste keinen rechten Trost mehr spenden. Das Wochenende war gelaufen und die Stadt Dresden hat einen Fan weniger. (jö) 

In Memoriam Walter Frosch

 

“Ein Walter Frosch spielt nur in der A-Mannschaft oder in der Weltauswahl.”

(Walter Frosch)

Schornsteinfeger Walter Frosch

Schornsteinfeger Walter Frosch

Wo sind sie geblieben, die Spielertypen? Alle tot? Nein, das glauben wir nicht. Aber heute ist ein Spielertyp von uns gegangen, der gegen Hertha BSC sein erstes Spiel als Profi absolvierte. Daran möchten wir erinnern. Walter Frosch war eigentlich ein Antisportler. Kein Vergleich mit den gestylten Ikonen unserer heutigen Zeit. Kettenraucher, ein beinharter Defensivmann mit der Zigarettenschachtel im Stutzen. Er hätte viel besser in den Dunstkreis der Brigade Pankoff statt auf den Rasen gepasst, denn Kneipen mochte er. “Mein schwerster Gegner war immer die Kneipe”, hat er selbst gesagt. Bei seinem Wechsel vom SV Alsenborn zum 1. FC Kaiserslautern kam es zu einem Streit mit dem FC Bayern München, bei dem Frosch auf Druck des zwielichtigen Managers Robert Schwan einen weiteren Vertrag unterzeichnete. Der DFB entschied das heute Undenkbare und Frosch musste seinen Vertrag mit dem 1. FC Kaiserslautern erfüllen. Zum Nachteil der Pfälzer wurde er für vier Monate gesperrt. Die Wartezeit verbrachte er auf Mallorca. Walter Frosch debütierte am 23. November 1974 in der Fußball-Bundesliga. In der 76. Minute wurde er im Olympiastadion von Lauterns Trainer Erich Ribbeck für Werner Melzer eingewechselt. Hertha gewann das Spiel mit 2:1 durch zwei Tore von Kurt Müller. Berühmt wurde der Pfälzer Walter Frosch durch seine Liebe zu gelben Karten. Nach seinem Wechsel im Jahr 1976 zum FC St. Pauli wurde in einer Saison 18-mal verwarnt. Der DFB führte daraufhin die Gelbsperre ein. Kult war Walter Frosch schon zu Lebzeiten. Als Bundestrainer Jupp Derwall ihn im Jahr 1976 in den Kader der B-Nationalmannschaft berufen wollte, lehnte er das mit o. g. Zitat ab. Die Ergebnisse des heutigen Spieltages treten zurück. Ruhe in Frieden lieber Walter Frosch. (jö)

Brigade Pankoff legitimiert Freispruch für Uli Hoeneß

 

“Nicht wenige Gnadenerweise ziehen gnadenlose Folgen nach sich.”

(Martin Gerhard Reisenberg)

Was war das wieder einmal für eine Woche. Die neuen Leibchen und Höschen für die deutsche Fußballnationalmannschaft der Herren (!) wurden vorgestellt. Der DFB setzt mit einem durchgängigen Weiß ganz gewagt auf eine bußfertige Optik seiner männlichen Aushängeschilder. Ob dies mit den Offenbarungen zu tun hat, die anlässlich der Hauptversammlung des FC Bayern München der gläubigen Menge kundgetan wurden, ist nicht überliefert. Gleichwohl gewinnt diese These an Boden, da auch der  in verschiedenen Rottönen gehaltene Bruststreifen eine Reminiszenz an den großen Bajuwarenstamm in unserem Nationalteam sein dürfte. Die DFB-Auswahl vermochte es am Freitag nach gutem Spiel mit einem 1:1 (1:1) in Mailand leider wieder einmal nicht, die Squadra Azzurra in Jogis 100. Länderspiel zu schlagen. Trotzdem bleiben wir optimistisch.

Kann Gott diesen bescheidenen Seelen widerstehen?

Kann Gott diesen bescheidenen Seelen widerstehen?

Über den Dresscode der Nationalmannschaft kann man sich gerne streiten. Megaheiß und sakrosankt ist aber in jedem Fall das Büßerhemd des Uli Hoeneß, welches dieser zur bereits erwähnten Hauptversammlung in München auftrug. Nach der Formulierung der eigenen Erwartungshaltung an die bayerische Justiz und dem Loblied, das der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge auf die Lebensleistung des Uli Hoeneß anstimmte, musste der Präsident des FC Bayern München vor laufenden Kameras tränenüberströmt in ein riesiges Taschentuch schnäuzen. Warum war er so gerührt? Zum Verständnis kann man einen Rollenvergleich zu den Strukturen so genannter ehrenwerter Gesellschaften wagen ohne dem FC Bayern München unterstellen zu wollen, er sei eine ebensolche. Diesen Familien sitzt meist im Verborgenen ein gestrenger Pate vor, der immer das letzte Wort hat. Beim FC Bayern wäre diese Rolle Kaiser Franz auf den Leib geschrieben, wobei er sich vielleicht ein bisschen zu häufig in der Öffentlichkeit zeigt. Der tränenreiche Bayern-Präsident selbst wäre nach dieser Logik dann ein “Sotto capo” (Subchef), dem die Überwachung der laufenden Familiengeschäfte zufällt. Dem Subchef wird gewöhnlich ein sogenannter “Consigliere” (Berater) unterstellt. Dieser hat die Aufgabe, die Familie zusammenzuhalten. Das entspricht dem Temperament Rummenigges, der mit seinem Loblied auf Uli Hoeneß den Zusammenhalt der Bayern-Familie pries. Mehr noch: In einem Akt der Selbstkasteiung hat Rummenigge einen Strafbefehl in Höhe von 249.900 Euro auf sich genommen und darf sich seitdem als vorbestraft bezeichnen. Bei soviel identitätsstiftender Einsatzfreude musste Uli Hoeneß einfach zu Tränen gerührt sein.

Die Redaktion fragt sich, warum im beschaulichen Bayern zu diesem Thema alles so ruhig und besonnen bleibt?  Die Antwort ist ganz einfach. Bayern ist quasi ein Gottesstaat und schon in den Seligpreisungen der Bergpredigt heißt es: Selig sind, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden; denn ihrer ist das Himmelreich (Matthäus 5, 10). Uli Hoeneß kann somit völlig tiefenentspannt bleiben, denn die Justiz des Freistaates Bayern wird die Gnade Gottes walten lassen. Die Redaktion kneift nicht, wenn es darum geht unpopuläre Standpunkte zu vertreten. Wir haben uns deshalb auch schon im Frühjahr 2013 für Uli Hoeneß eingesetzt. Freispruch (!) lautet nach dieser Analyse auch jetzt die logische Forderung unseres Anschnur-Magazins.

Den Wahrheitsgehalt hartnäckiger Gerüchte, wonach der Limburger Bischof Tebartz van Elst auf Geheiß des Papstes im niederbayerischen Kloster Metten die Seligsprechung von Uli Hoeneß zu Lebzeiten prüfen soll, konnten wir noch nicht feststellen. Wir bleiben wie immer am Ball. (jö)

Hopp’s seelenloses Projekt nach drittem Saunagang geschlagen

 

“Der sittliche Mensch liebt seine Seele, der gewöhnliche sein Eigentum.”

(Konfuzius)

Ein Zeugnis spontaner Huldigung der Brigade

Ein Zeugnis spontaner Huldigung der Brigade in der Prignitz

Perleberg, letzten Sonnabend. Ein trüber Novembertag. Es ist 15.30 Uhr. Der leitende Redakteur hat Rücken und schleicht in gebeugter Haltung auf dem herrlichen Anwesen derer zu Dinnebier die wenigen Schritte vom Wochenenddomizil zur Sauna. Herrenwochenende war angesagt. Während die anderen zum Kartfahren losziehen, versucht der vielbeschäftigte Autor dieses Anschnur-Magazins das Beste aus seiner vertrackten Situation zu machen. “Autsch!”, ertönt es immer wieder. An Fußball ist heute nicht zu denken. Die kulturelle Vielfalt der Prignitz lässt Sky-Embleme sowieso vermissen. “Dann muss Hertha heute mal so klarkommen”, denkt der leidende Redakteur. Statt vor dem Volksempfänger zu verweilen, bewegt sich dieser in den 85 Grad heißen Schwitzkasten. Das tut gut. Die Muskulatur wird langsam wieder geschmeidig. Einfach herrlich die Ruhe. Nach dem zweiten Saunagang ist es etwa 17.15 Uhr. Den Ruheraum passieren zwei ältere Herren. Der eine Mann hat das Wort “Hertha” auf den Lippen. Der andere sagt, ” … Dieser dreckige Hopp! Da machen die aus dem Nichts zwei Tore ….”. Aus den aufgeschnappten Wortfetzen dieser eloquent und sympathisch erscheinenden Herren und deren Verärgerung ist zu schließen, dass die alte Dame den Nachmittag wohl wenig erfolgreich gestaltet hat. Resignation macht sich breit. ARD-Sportschau? Heute bestimmt nicht. Der nun doppelt leidende Redakteur beginnt einen dritten Saunagang und entscheidet sich dafür, die Zeit bis zur Massage um 19.00 Uhr weiter im Wellnessbereich zu verbringen. Gegen 20.00 Uhr geht es dem Rücken nach einer Rückenmassage und einer Moorpackung zwar etwas besser, auf der Seele lastet aber die vermeintliche Niederlage des Hauptstadtclubs Nummer eins. Der Redakteur verlässt dennoch in halbwegs aufrechtem Gang den Wellnessbereich. Das Abendessen mit den Kumpels ruft. Plötzlich wird durch zwei aufflackernde Balken auf dem iPhone angezeigt, dass der Kontakt Perlebergs zur Außenwelt in brillanter Edge-Qualität wiederhergestellt ist. In der Schwatz-Applikation der Brigade Pankoff herrscht ein reges Treiben. Von Niedergeschlagenheit keine Spur und dann steht da was von einem neuen Lieblingsspieler “Ramonius”. Der Web-Master frohlockt, dass in Kürze ein Ortswechsel vom Kissingen Eck in den Magendoktor bevorstünde. Die höchste Auszeichnung der Brigade Pankoff, ein echter Ritterschlag. Zwischendurch ist immer mal wieder ein “Eurroppapookaal” zu lesen. “Was soll diese Ausgelassenheit?”, fragt sich die Redaktion und ruft ohne schuldhaftes Zögern die Ergebnistafel des Nachmittags auf. Schon nach wenigen Minuten fördert die Komfortverbindung der Deutschen Telekom die Ergebnisse des zwölften Spieltags ans Tageslicht und da steht eindeutig eine 3 neben dem Worten Hertha BSC. Wie geil ist das denn? Hertha arm wie eine Kirchenmaus schlägt das fiese Finanzderivat des Herrn Hopp in seiner eigenen Hütte. Geld schießt eben nicht immer Tore. Schade, dass an diesem Tag kein Redakteur für einen Live-Bericht aus dem Magendoktor zur Verfügung steht. Man kann eben nicht überall sein. (jö)