Hertha siegt moralisch und gewinnt statistisch null Punkte hinzu

“O ihr, die ihr glaubt! Berauschendes, Glücksspiel, Opfersteine und Lospfeile sind ein Greuel, das Werk des Satans. So meidet sie, auf dass ihr erfolgreich seid.”

(Koran, Sure 5, Vers 90)

Da kommt der tapfere Knappe Jens auf dem schönen Erzgebirge, entführt mal eben drei Punkte aus der Hauptstadt und macht sich dann nach harter Prüfung wieder auf den Heimweg. Ja, so schnell kann es gehen. Wir sind zurück auf dem Boden der Tatsachen und träumen nur noch ganz verhalten vom “Eurrroppapookaal”. Fragt sich, ob der Support der Brigade Pankoff an diesem Nachmittag wirklich intakt war? Da in der Redaktion ein gewisses  Maß an Aberglauben verbreitet ist, sind folgende Punkte diskussionswürdig und dürften für die zweite Heimniederlage der alten Dame in dieser Saison vielleicht mitverantwortlich gewesen sein. Zunächst musste die Brigade aufgrund der besonders pfiffigen Wochenendgestaltung, die der Trikotsponsor von Hertha sich für die Berliner S-Bahn ausgedacht hatte, kurzentschlossen von selbiger auf die U-Bahn umsteigen. Das führte zwar zu einem netten Plausch mit einer schwäbisch-stämmigen Berlinerin und zu einem Fotostream von Schalke-Jens und unserem Josh via iPhone nach Konschtanz an den Bodensee, die Brigade hätte aber daran denken müssen, dass wir bei Anreisen mit der U-Bahn fast immer verloren haben. Das war also definitiv keine gute Entscheidung. Das stolze Banner der Brigade fehlte auch. Ob es in diesem Punkt einen kausalen Zusammenhang zur Niederlage gibt, ist allerdings völlig unklar. Die Statistik des Aberglaubens kann hier noch keine validen Kennziffern liefern. Die Redaktion wird diesen Aspekt jedoch aufmerksam beobachten, weil der geneigte Leser hierauf zurecht eine valide Antwort erwartet. Nahezu unverzeihlich waren aber die Beobachtungen, die die Redaktion im Estadio selbst in Augenschein nehmen musste. So mangelte es während des laufenden Spielbetriebs immer wieder an einer stabilen Besetzung in der bei Freund und Feind berüchtigten 6er-Formation unserer sonst so harmoniebetonten Brigadereihe. Durch die fortwährende Betriebsamkeit in Richtung der gastronomischen und keramischen Einrichtungen des Estadio lichtete sich die Reihe immer wieder, was stete Unruhe in die Supportbetrieb für unsere Hertha brachte. Daran konnte auch Bartek nichts ändern, der uns endlich wieder beehrte und eine Reihe vor uns quasi als Libero unsere Choreografie untermalte. Hätten wir mal im Koran geblättert, dann wäre uns vielleicht klar geworden, dass Berauschendes nicht zum Erfolg führen kann. Die königsgrünen Knappen aus Kaldenkirchen wussten unsere Schwäche in ihrem perfiden Auftritt für sich auszunutzen und unser Team unterlag schlussendlich unglücklich mit 0:2 (0:1). Dabei spielten unsere Jungs auf dem Rasen wieder erneut einen sehr, sehr ansehnlichen Fußball gegen eine Supermacht des deutschen Fußballs. Ausschlag gebend für den Erfolg der Kaldenkirchener war aus sportlicher Sicht die unterschiedliche Form der beiden Keeper und die mangelnde Chancenwertung (18:11 Torschüsse). Timo Hildebrand im Tor von Schalke 04 hatte eine bestechende Form, die in drei bis vier Szenen ein mehr als verdientes Tor der Hertha verhinderte. Umgekehrt führte ein Fehlgriff von Thomas Kraft zum 1:0 der Königsgrünen und machte es der Hertha dann ganz schwer. Toll gespielt und wieder null Punkte. Glückwunsch an Jens, den wir als Schalker an diesem Wochenende ins Herz geschlossen haben. Wenn das kein Erfolg ist! Ihr werdet sehen, in Hoppelheim spielen wir endlich mal grottenschlecht und gewinnen das Ding. Nach dem Spiel ist eben vor dem Spiel. Die Reaktion wünscht allen eine schöne Woche. (jö)

 

 
Jörsch posted at 2013-11-3 Category: Hertha BSC

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