Hertha bleibt Angstgegner des BVB

„Bei einem Fußballspiel verkompliziert sich allerdings alles durch die Anwesenheit der gegnerischen Mannschaft.“

 (Jean-Paul Sartre)

Vorweihnachtliche Bescherung in Westfalen.

Vorweihnachtliche Bescherung der Brigade Pankoff in Dortmund.

Dank Detter kamen die Brigadisten M. und der Autor dieser Zeilen in den Genuss zweier Karten für das Rückrundenendspiel unserer Hertha gegen den BVB inklusive An- und Abfahrt mit dem HFC Blue Dolphins. Für beide Protagonisten soll es eine Wiedergutmachungstour werden, für den Autor aufgrund seiner vergebenen Chance auf einen Artikel über den Motorradausflug zum Spiel nach Fallersleben, für M. die Gelegenheit nicht nur Anreisen, sondern auch einmal die Abreise im Fanbus statt im Nachtzug nach Moskau erleben zu dürfen. Während der Autor sich mit diesem Artikel um Wiedergutmachung bemüht, hatte M. sich entschlossen, dies auf ein anderes Mal zu verschieben. Jedenfalls konnte er am Treffpunkt der drei Dolphins-Busse nicht ausgemacht werden. Schlaftrunken getätigten, verzweifelten Telefonanrufen bleibt die Annahme verwehrt. Die Suche mittels Brigadechat erbringt Vieles nur keine sachdienlichen Hinweise. So machen wir uns gegen 6 Uhr morgens voller Sorge um den Verbleib M.’s auf den Weg nach Dortmund.

Die guten Vorsätze sich frühestens mittags alkoholischen Getränken zu nähern, werden nach zugegeben kurzer Karenzzeit über Bord geworfen. Der Verbrauch von Gerstensaft und Klopfern nimmt für samstagsvormittägliche Verhältnisse imposante Ausmaße an. Dem wird mit stündlichen Stopps an diversen Rastplätzen Rechnung getragen. Nachdem der businterne Stimmungspegel parallel mit der Lautstärke der von Fanhand verlesenen Musik steil ansteigt, die Musikanlage dem nicht gewachsen ist und zudem in seinem Rücken alkoholgeschwängerte nicht Ende wollende lautstarke Monologe geführt werden, sieht sich der Autor genötigt, die vorsorglich und nur für den Notfall mit sich geführten Ohrstöpsel anzulegen. Überrascht stellt er fest, dass er auch so ausgerüstet sowohl Musik als auch Gesprächen noch bestens folgen kann. Nach wohldosiertem Genuss der bereits genannten flüssigen Köstlichkeiten kann auf den weiteren Einsatz solcher Hörschutztechnik verzichten werden.

In Sichtweite des Stadions reicht die Zeit gerade noch aus, um sich mittels im Repetitorium mühevoll erlernter Techniken den Namen unseres jungen Torwarttalents Marius Gersbeck einzuprägen, verbunden mit einem Stoßgebet, dass sein Einsatz gut gehen wird.

Der Empfang der Heimfans am Signal Iduna Park verläuft entspannt und freundlich. Ist es vorweihnachtlich. Für unsere leise artikulierte Erwartung nach einem guten Ausgang des Spiels ernten wir mitleidsvolle Blicke der Borussenfans. Die ganz Mutigen unter uns Businsassen tippen auf einen Sieg unserer Blau-Weißen. Nostalgisch wird vom 1:2 in Dortmund nach dem ersten Wiederaufstieg erzählt.

Der Eintritt ins Stadioninnere sorgt dafür, dass jedenfalls dem Auswärtsfan ein Schauer über den Rücken läuft. 80.000 Zuschauer, darunter wohl 5.000 Herthafans! Und was für eine Premiere für Gersbeck! Er beginnt das Spiel mit den 25.000 BVB-Fans der gelben Wand im Rücken. Dass er unter diesem Eindruck kurz nach Spielbeginn, übermotiviert aus dem Kasten stürmt und so das 1:0 für die Borussia zumindest mitverschuldet, sei ihm verziehen. Danach zeigt er sein zu erahnendes Vermögen auf eine große Torwartkarriere und spielt fehlerfrei. Überhaupt liefert die Mannschaft ein feines Spiel ab. Hier Einzelne hervorzuheben, ist vielleicht ungerecht, aber dennoch: Allagui macht mit seiner Einsatzfreude, seiner Torvorlage für Ramos sowie seiner Ballereroberung, Torwartverlade und Tor sein bislang bestes Saisonspiel!

Auch in der schier endlos erscheinenden Nachspielzeit mit der verzweifelt anrennenden Borussia lässt sich der BSC den Sieg schließlich nicht mehr nehmen und wir Fans liegen uns nach dem Schlusspfiff überglücklich in den Armen. Unser Torwartnewcomer lässt es sich anschließend nicht nehmen, über den Zaun zu klettern und mit uns Fans zu feiern. Was für ein Tag! „Euuuropapokaaal, Euuuropapokaaal,…!“

Heiser und zufrieden treten wir die Rückfahrt nach Berlin an.

Ach ja, wer sich noch Sorgen um M.’s Verbleib macht: Alles ist gut. Er verbringt die Weihnachtszeit geborgen in seiner Familie. (Re)

 
Jörsch posted at 2013-12-24 Category: Hertha BSC

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