Brigade Pankoff wünscht allen echten Fußballfans einen besinnlichen Advent

“Der gesunde Menschenverstand ist blind sowohl für das äußerst Böse wie für das höchst Gute.”

(Karl Jaspers)

Brigade Pankoff wünscht eine teuflisch gute Adventszeit.Da haben wir uns im vorletzten Beitrag der Münchner Schickeria gewidmet und dachten schon, dass man nicht tiefer sinken kann. Doch am Sonnabend tigerte die Redaktion zusammen mit Webmaster Andreas in die heimliche Weihnachtsmetropole Dresden. Danke Andreas, dies rechnen wir Dir sehr hoch an. Schon sehr früh am Morgen wurde klar: Auf die heutige Jugend kann man nicht wirklich bauen. Und früher war sowieso alles besser. Was war passiert? Chrissi, der die Redaktion in die so schön von Canaletto porträtierte Stadt eingeladen hatte, dehnte seine Tiefschlafphase aus und zog einen Samstag im heimischen Frankfurt vor. Nun gut 8.46 Uhr ging es vom Hauptbahnhof Berlin nach Dresden, um den Auftritt der roten Teufel im Block S der Glücksgas-Arena zu unterstützen. Der 1. FC Kaiserslautern konnte im Tal der Ahnungslosen seine am Wochenende zuvor erlangte Tabellenführung untermauern. So war unsere Erwartungshaltung. Doch es kam wie immer ganz anders. Die roten Teufel verpassten nach einem guten und spannenden Match den für die Herbstmeisterschaft so wichtigen Dreier. Ein unnötiges 2:3 (1:1) gegen die schwarz-gelbe Koalition der Unvernunft stand am Ende auf dem Papier. Doch die Bilder auf dem Platz waren nicht das Erschreckende. Unwürdig waren die Bedingungen im Umfeld des Stadions. Auf dem Hinweg vom Hauptbahnhof zur Arena nutzten wir die Straßenbahnlinie 10. Den Lauternschal elegant um den Hals geschlungen, verlief das bis auf irritierte Blicke ganz reibungslos. “Also hier wird Vieles übertrieben”, waren die ersten Gedanken. So schien es für etwa dreißig Minuten. Dann aber mussten wir dank des seltsam zu durchschauenden Sicherheitskonzeptes der Behörden von der Stadion-Haltestelle über einen schmalen Pfad, der durch einen undurchsichtigen Park führt, zu unserem Gästeblock. Wir begegneten dort einer vagabundierenden Schar kahl geschorener aufrechter Teutscher, die unschwer als hipper NSU-Nachwuchs zu erkennen waren. Nachdem die Bande schon zu drei Vierteln an uns vorbeigezogen war, nahm ein ganz aufgewecktes Kerlchen mit seinem sicheren Gespür für Minderheiten all seinen Mut zusammen und riss dem leitenden Redakteur seinen Lauternschal vom Halse. Diesen führte er dann laut johlend als Trophäe weiter mit sich und gab ihn nicht mehr her. Von seinem tapferen Kameraden gab es anschließend noch einen Faustschlag in die Bauchgegend, der Dank der Winterkleidung wenig Wirkung erzielte. Da der Rest der aufrechten Truppe enteilte, konnten wir uns der Fürsorge der beiden Kameraden relativ schnell entziehen. Der nahende Gästeblock S glich glücklicherweise einem Hochsicherheitstrakt, der neben einer robusten Umzäunung zusätzlich von einigen Hundertschaften der Bereitschaftspolizei umstellt war. Die Atmosphäre in der Kampfsportstätte war durch die hasserfüllten Chöre und Gesten der schwarz-gelben Frontmacher geschwängert. Die Stimmung im Lauternblock dennoch gut. Für den Rückweg zum Hauptbahnhof bevorzugten wir nach den Grenzerfahrungen auf dem Hinweg die Nutzung der eigens für die Gästefans bereitgestellten Shuttlebusse. In diesen fuhren jeweils etwa fünf uniformierte Polizisten zum Schutz der Gästefans mit. Dem Konvoi fuhren mehrere Polizeifahrzeuge voraus und mindestens ebenso viele schlossen sich als Backup an. Unwürdig, ein solches Szenario in einer deutschen Großstadt, die sich eigentlich um ein weltoffenes Image kümmern müsste! Solch ein Publikum hat nichts, aber auch gar nichts im Profifußball zu suchen. Außer der Erweiterung des Erfahrungshorizontes blieb der Erfolg in Dresden auf der ganzen Linie aus. Leider konnte auch die alte Dame am Nachmittag mit einem mageren 0:0 gegen die Puppenkiste keinen rechten Trost mehr spenden. Das Wochenende war gelaufen und die Stadt Dresden hat einen Fan weniger. (jö) 

 
Jörsch posted at 2013-12-1 Category: Allgemein

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