Brigade Pankoff fordert Artenschutz für den großen HSV

„I might have been born in Liverpool – but I grew up in Hamburg.“

(John Lennon)

Die Brigade Pankoff macht sich morgen auf den Weg in das Krisengebiet nach Hamburg. Der HSV bestreitet eines der vielen Endspiele, um das Abstiegsgespenst abzuschütteln und ist deshalb brandgefährlich. – Tja, so sollte mal die Einleitung für einen spektakulären Artikel zum Brigadeausflug nach Hamburg lauten. Es war ja auch ein tolles Wochenende Anfang Februar. Nur für Peter nicht, der sich als HSV-Fan in unserer Mitte aber dennoch ganz wohl gefühlt hat. Unsere Hertha obsiegte mit 3:0 und das ganz locker und völlig verdient. Trotzdem war es ein Sieg über den wir uns nicht richtig freuen konnten, denn der Dino gehört zur 1. Bundesliga wie ein Ball zum Fußball. Was soll denn der HSV in der 2. Bundesliga? Sollen unsere Kinder und Enkelkinder ohne einen HSV in der ersten Liga aufwachsen? Nein, die Redaktion mag nicht daran denken.

Gefahrenpotential: Mit Abstieg des HSV verlernen Kinder den Bezug zu Dinosauriern.

Ein Spiel mit dem Feuer: Mit dem Abstieg des HSV verlieren Kinder den Bezug zu Dinosauriern.

Ganz schön intensiv waren die verschiedenen Anreisen der Brigadisten in die Hansestadt. Nach dem Motto “Never change a professional driver!” trafen sich Josh und der Redakteur am U-Bahnhof Pankoff mit Marcello, um von ihm in seinem großem Wagen nach Hamburg chauffiert zu werden. Es ging schnurstracks auf den Berliner Ring, um an der Ausfahrt Oranienburg Pille einzusammeln. Dieser hatte seine Jungfernfahrt in Sachen Brigade vor sich und verhielt sich dennoch ganz tiefenentspannt. Unser umsichtiger Brigadeführer hatte vorgesorgt und kredenzte den Mitfahrern beste Brauerzeugnisse aus der geografischen Mitte Deutschlands. Zu deutlichen Verzögerungen der PKW-Anfahrt kam es, weil der mit dem Biergenuss einhergehende Drang zum Wasserlassen zunahm und manch einem auch schwerfiel. Die Vorhut der Brigade erreichte Hamburg gleichwohl gegen Mittag und bezog die beiden luxuriösen Zimmer, die für uns in Altonas Schanzenstern reserviert waren. Ohne schuldhaftes Zögern ging es in eine 500 Meter entfernte Kölsch-Kneipe am Bahnhof Altona. Lautern gucken war angesagt.

In die Sportsbar mit Geißbockwimpel trudelte wenig später auch Peter ein, der mit dem ICE aus der Mainmetropole anreiste und als einziger HSV-Fan in unserer Runde Zuflucht fand. Nach ein paar verstohlenen Blicken der Hamburger Fans zu uns und umgekehrt kam es im Laufe des frühen Nachmittags zu aufschlussreichen Gesprächen mit weit angereisten Fans des HSV. Wir konnten mit unserer Wertschätzung für derartige Vereinstreue nicht hinterm Berg halten und sammelten Pluspunkte. Nebenbei lernten wir dazu und durften erfahren, was es mit den “Tierquälern” so auf sich hat.

Ingo und Täve nutzten währenddessen die Dienste unseres Hauptsponsors und machten es sich in einem altersgerechten Hertha-Fanzug gemütlich. Der Genuss von Kaltgetränken und laute Partymusik soll die beiden zur puren Ekstase getrieben haben. Telefonate der Redaktion mit den Getreuen waren jedenfalls ohrenbetäubend. Gelegentlich soll auch bei diesen tapferen Brigadisten das Bedürfnis der Notdurft in den Mittelpunkt ihres Denken und Handelns gerückt sein. Beim Schlangestehen vor dem Bord-WC verhalf ihnen aber ihr entrückt-jugendliches Antlitz zu Barrierefreiheit und echten Positionsvorteilen. Ein reifes Alter muss eben nicht immer ein Nachteil sein.

Rechtzeitig vor dem Anpfiff des Spiels erreichten alle Akteure erfolgreich das Volksparkstadion und bezogen Stellung in den jeweiligen Blöcken. Wir sahen ein gutes Spiel der Hertha gegen eine völlig verunsicherte Hamburger Mannschaft. Die alte Dame gewann bekanntlich nach einem Tor von Allagui und zwei Toren von Ramos mit 3:0. Alle Treffer vielen in der 1. Halbzeit. Die Schlüsselszene des Spiels war ein Elfmeter für den HSV, der nach etwa einer Viertelstunde von Schiedsrichter Aytekin vergeben wurde. Ramos trat an und Adler parierte den Elfer mit einem sensationellen Reflex. Es war dann schon typisch für die Serie von Pleiten, Pech und Pannen, dass die Hamburger den Rückenwind des abgewehrten Elfmeters nicht nutzen konnten. Unmittelbar nach dem Elfer folgte ein Eckball: Allagui kam aus dem Nichts und drückte den Ball über die Linie. Die Körpersprache der Hanseaten ließ keine Gegenwehr mehr erkennen. Fast absehbar musste der Dino die weiteren Treffer von Ramos hinnehmen und war damit noch gut bedient. Die Hamburger Fans versagten die Unterstützung und entließen ihre Mannschaft mit einem Pfeifkonzert in die Halbzeit. Den zweiten Durchgang hätte man sich sparen können, da unsere alte Dame keinen allzu großen Drang mehr nach Vorne verspürte und dem HSV nichts Entscheidendes mehr einfiel. Nach der 8. Heimniederlage des HSV kam Untergangsstimmung auf. Die HSV-Uhr tickte derweil weiter.

Im Anschluss an das Spiel sammelten wir uns vor dem Durchgang zum S-Bahnhof Stellingen zum Bier. Wir erwiesen Peter und dem Rest der Hamburger, die bei uns strandeten, unsere Ehrerbietung und spendeten Trost. Ingo und Täve begleiteten wir anschließend zum Hamburger Hauptbahnhof von wo sie ihre beschwerliche Rückreise nach Berlin antraten. Der Rest der Brigade zog mit Peter ins Schanzenviertel und tauchte in der Raucherkneipe Möllers zur Millieustudie ab. Von einem bekifften Spinner bis zu einem distinguierten älteren Herrn, der in seiner Jugend mit Uwe Seeler in einer Jugendmannschaft des HSV spielte, reichte die Spanne des Publikums. Spät in der Nacht genossen wir gleich gegenüber vom Möllers einen der besten Döner den diese Republik hervorbringt und betteten unser Haupt zur Nachtruhe.

Dass die Autofraktion überhaupt nach Berlin zurückkam, ist dem Einsatz des ADAC zu verdanken. Ein gelber Engel brachte Marcellos gutmütiges Ross wieder zum Traben. Die Brigade Pankoff ist dafür bekannt, dass sie gegen den Mainstream Position bezieht. Daher danken wir dem ADAC-Kollegen, der aus unserer Sicht ein kleines Wunder vollbracht hat. Danke!

Monate später wird nun dieser Artikel endlich fertig. Soeben hat der HSV am 32. Spieltag gegen die Puppenkiste verloren und hat damit die Vorlage der Hertha vom Vortag nicht genutzt. Die Relegation wird damit augenblicklich zum realistischen Saisonziel für den HSV. Zu den verbleibenden beiden Spielen dieser Saison wünscht die Brigade dem HSV maximalen Erfolg. Wir drücken die Daumen, dass die Stadionuhr im Volkspark weiterläuft und am 24. August 2014 völlig unaufgeregt auf 51 Jahre Bundesligazugehörigkeit umspringt. Toi, toi, toi. (jö)

 
Jörsch posted at 2014-4-27 Category: Allgemein, Hertha BSC

Leave a Reply

(Ctrl + Enter)
*