Brigade Pankoff ehrt den Leader der Herzen

“Pessimisten sind die wahren Lebenskünstler, sie erleben dauernd positive Überraschungen.”

(Marcel Proust)

Eine Hommage (frz. homme, lat. homo, „Mensch“) ist ein öffentlicher Ehrenerweis, meist auf eine berühmte Persönlichkeit, der man sich verpflichtet fühlt. Oft stehen die Urheber einer Hommage selbst in der Öffentlichkeit. Danke Wikipedia für diese Einleitung, ihr seid eh grandios. Mit der Person, der der nun folgenden Ehrenerweis gelten soll, ist es ebenso. Dass die Brigade Pankoff in der Öffentlichkeit steht, war bekannt. Die Brigade Pankoff gibt es aber vor allem Dank der zu ehrenden Person. Geehrt werden soll unser “Leader” Josh, der heute einen Erfahrungsschatz von einem halben Jahrhundert sein Eigen nennen kann. Glückwunsch lieber Josh, du bist ein prima Kerl, bleib geschmeidig und lass es Dir gut gehen.

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Quelle: Wikipedia

Bekanntlich sind Fußballfans ihrer ersten Liebe immer Treu. Das ist auch in Deinem Fall so. Als Mensch und Fußballfan bist du in Leipzig der Stadt der Helden gewachsen und hast Dir dort Deine Sporen als Lokist verdient. Das ist in der Brigade Packoff nichts Ungewöhnliches,  die meisten von uns drücken heute neben der alten Dame einem weiteren Herzensverein die Daumen. Das ist auch gut so. Wir zeichnen uns eben durch Offenheit aus. Der Redaktion ist zudem seit wenigen Wochen bewusst, dass man als Ostdeutscher sowieso immer zwei Vereine hatte. An dieser Stelle sei deshalb zur Ehren Joshs freimütig an die Erfolge von Lok Leipzig erinnert, die der durch seine konterstarke Spielweise berühmte Verein insbesondere in den Pokalrunden der nationalen und europäischen Wettbewerbe in den 70er und 80er Jahren erzielte. Pokalsieger 1976, 1981, 1986 und 1987; Halbfinalist im UEFA-Cup 1974 und -unvergessen- Finalist im Europapokal der Pokalsieger 1987. Im Finale unterlag Leipzig nur denkbar knapp gegen Ajax Amsterdam mit 1:0. In der Meisterschaft, vergessen wir mal das Thema “Schandelfmeter”, reichte es aus eigener Kraft bis zur Vizemeisterschaft 1967, 1986 und 1988. Vielleicht haben diese Erlebnisse unseren Jubilar stark geprägt und zu dieser entwicklungsfähigen Grundannahme beigetragen, was den Glauben an den Erfolg der eigenen Mannschaft betrifft. Egal, der Redaktion stehen weitere Deutungen nicht zu. Lok Leipzig hat jedenfalls gezeigt, dass es keines Brause-Herstellers bedarf, um in Mitteldeutschland erfolgreich Fußball spielen zu können.

Als erste und leider immer noch letzte persönliche Begegnung mit Deinem Verein ist dem Redakteur dieses Anschnurmagazins Sonntag, der 27. Oktober 1993 in Erinnerung. Zum besseren Verständnis ist zu erwähnen, dass die Lokschen am 1. Juni 1991 den Namen “VfB Leipzig” annahmen. Im Zentralstadion von Leipzig trat an besagtem Tag der 1. FC Kaiserslautern vor einer Kulisse von etwa 11.000 Zuschauern in der 1. Bundesliga an. Am Frühstückstisch im mehr als 600 Kilometer entfernten Rheinböllen stimmten die Eltern des Verfassers dieser Zeilen an diesem Tag seiner spontanen Idee zu, dass das Geschirr in die Spüle zu stellen sei und alle nach Leipzig zum Bundesligafußball fahren. Zwanzig Jahre zuvor war der Redakteur selbst das letzte Mal “drüben” gewesen und wollte es nun als junger Mensch hautnah erleben; die ungebrauchten Bundesländer und jenes legendäre Stadion in dem Fritz Walter sein Hackentor erzielte. Er wollte auch die Helden in der eigenen Verwandtschaft wiedersehen, die 1989 für die Freiheit auf die Straße gingen. Onkel, Tanten, Cousin und Nichte – übrigens alle Lokisten – wurden zu deren freudiger Überraschung – bereits zur Kaffeezeit angetroffen. Nachdem ordentlich auf die Besserwessis geschimpft wurde, fand man sich gemeinsam gegen 18 Uhr im Zentralstadion ein. Als das Ost-West-Gespann auf dem Hinweg das riesige Stadion zu Fuß umkreiste, um in die richtigen Blocks zu gelangen, teilte der Vater des Redakteurs nebenbei mit, dass  dieses Stadion nach dem Krieg aus Schutt und Trümmern entstanden sei und er als junger Mann beim Aufbau geholfen habe. Das größte deutsche Stadion ist unter der Mitwirkung des eigenen Vaters entstanden. Gänsehaut. Unerwartet und ganz plötzlich entstand eine familiäre Bindung zu dieser Spielstätte. Dank dichtem Nebel hatten in dieser Riesenschüssel aber alle nur sehr wenig vom Spiel. Glücklicherweise gab es auch nichts zu sehen, denn es vielen keine Tore.

Lieber Josh, der Redaktion ist nicht bekannt, ob Du an diesem Tag im Stadion wahrst. Du könntest es aber ruhig zugeben, denn die gegnerischen Fanlager waren in dem riesigen Oval soweit auseinander, dass man sich inklusive mehrerer Mokkalöffel alles Mögliche an den Kopf hätte werfen können. Diese kleine Geschichte gehört jetzt Dir. Pass gut auf sie auf.

Zum Ende dieses Artikels möchte sich die Redaktion für die vielen Freundschaftsdienste bei Dir bedanken. Nicht ganz uneigennützig wünscht Dir die Redaktion neben einem langen und erfüllten Leben für die zweite Hälfte Deiner Karriere als Hertha-Fan, dass uns schon in zehn bis zwanzig Jahren die gegnerischen Schlachtenbummler abschätzig als Erfolgsfans herabwürdigen. Träumen darf man ja mal. Weißt Du eigentlich,was Optimisten und Pessimisten gemeinsam haben? Beide halten diese Welt für die beste aller möglichen. Dabei lassen wir es erst einmal bewenden. “Josh, Du bist ein Teufelskerl!”, rufe ich Dir zu und Du weißt, dass sich dahinter in zweifacher Hinsicht ein Kompliment verbirgt. (jö)

 
Jörsch posted at 2014-12-25 Category: Allgemein

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