Brigade Pankoff betont die eigene Systemrelevanz

“Der Bock ist jenes Tier, welches auch als Bier getrunken werden kann.”

(Wilhelm Busch)

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Quelle: Herrentoilette in der Straßenbahn

Der letzte große Vereinserfolg der Frankfurter Eintracht stammt aus der Saison 1993/94 als der Ausnahmespieler Antony Jeboah mit 18 Treffern zum zweiten Mal in Folge Torschützenkönig der ersten Fußball-Bundesliga wurde. Die einzige Deutsche Meisterschaft des Vereins datiert aus dem Jahre 1959. Der UEFA-Cup wurde 1980 gewonnen und den DFB-Pokal gewann die Zwietracht 1988 das vierte und vorerst letzte Mal. Der Zenit der Vereinsgeschichte scheint also längst überschritten. Das sieht bei Hertha BSC selbstverständlich ganz anders aus und lässt uns erfolgsverwöhnte Hertha-Fans recht optimistisch in die Zukunft schauen. Die großen Dinger kommen noch, wartet es einfach mal ab! Da also in Verbindung mit dem 6:1-Hinspielerfolg der alten Dame im Frankfurter Stadtwald am nächsten Wochenende kaum was anbrennen kann, möchten wir unsere Aufmerksamkeit den Besonderheiten der Stadt unseres nächsten Gastgebers widmen.

Klammern wir den Handkäs mit Musik einmal aus, dann gibt es noch vier weitere Begriffe die unverwechselbar mit Frankfurt am Main verbunden sind. Da wären der Äppler, der Geheimrat Goethe, der Flughafen und die Banken. Mehr fällt uns in der Redaktion erstmal nicht ein. Dem Äppelwoi hatten sich die Mitglieder der Brigade bereits anlässlich ihres letzten Tripps in die Bankenmetropole ausführlich gewidmet. Hier sollten wir nichts nachtragen. Johann Wolfgang von Goethe ist uns allen aus dem Deutschunterricht in bester Erinnerung und da er ja letztlich das Städtchen Weimar der schillernden Mainmetropole vorzog, muss man in dieser Beziehung nicht zu viel Aufhebens um die wenigen Häuserzeilen rings um den Römer machen. So bleiben uns nur noch die Themen Flughafen und Banken. Dass die Stadt Frankfurt anders als Berlin Flughafen kann, ist landauf und landab bekannt. Ständig werden neue Start- und Landebahnen an den Fraport getackert und mit 57,2 Millionen Passagieren und 2,2 Mrd. Tonnen Luftfracht ist dieser Flughafen auf Platz 3 in Europa bzw. sogar Europameister bei der Tonnage. Da bleibt uns Berlinern schlicht die Spucke weg. So dynamisch kann es  auf einem Flugfeld zugehen. Wir müssen geduldig sein, dann dauert es nicht mehr lange. Macht ja nichts, wenn der Steuerzahler bei uns Euro für Euro in den märkischen Sand pumpt. 1,7 Mrd. Euro sollten es mal ursprünglich sein, seit November 2013 wissen wir, dass es mindestens 5,7 Mrd. Euro sein werden und ein Eröffnungstermin ist immer noch nicht in Sicht. Davon lassen wir uns vor dem Spiel gegen die Zwietracht jetzt aber nicht runterziehen. Denn auch als Berliner kann man erhobenen Hauptes in diesem Land verreisen. Wir müssen keinesfalls in Sack und Asche gehen. Andernorts wird auch viel Geld verbrannt. Bezogen auf Frankfurt fällt uns spontan das Stichwort “Bankenrettung” ein. Zwischen 34 bis 52 Mrd. Euro wird die Bankenrettung den Steuerzahler kosten, so schätzen Experten. Ok, hier darf Berlin aufgrund der gerade zu Grabe getragenen Bankgesellschaft auch keine großen Töne spucken, aber die Redaktion wittert Morgenluft. Schon Martin Luther hat die Stadt Frankfurt am Main schließlich als “Silber- und Goldloch” des Deutschen Reiches entlarvt und seitdem hat sich nicht viel verändert. In Frankfurt stehen nämlich immer noch unzählige Banken herum. Ein besonders bemitleidenswertes Exemplar darunter ist mit der Commerzbank schnell gefunden. Durch privates Missmanagement dümpelte diese seinerzeit noch als systemrelevant geltende Bank im Jahr 2008 todkrank vor sich hin und erhielt vom Steuerzahler ohne Gegenleistung mal eben 18,2 Mrd. Euro. Im Frühjahr 2012 stellte sich dann etwas zu spät heraus, dass diese Bank gar nicht systemrelevant ist. Egal, mit dem Geld hätten wir Berliner bestimmt oder eher sogar vielleicht zwei Flughäfen bauen können und es wäre danach dann wohl noch Geld für eine Imbisswagen-Standplatz vor dem Haupteingang übrig geblieben. Mit diesem Bewusstsein sollen unsere Fans am Samstag mit stolzgeschwellter Brust feierlichen Einzug in die Kopfschmerzbank-Arena halten. Immer schön dran denken: Herthaner sind garantiert systemrelevant und verlieren sich ebenfalls nicht im Klein-Klein. Nebenbei gefragt: Wer ist eigentlich dieser Steuerzahler? Wenn den jemand treffen sollte, dann ladet ihn mal mit ins Kissingeneck ein. Der scheint so großzügig, dass er bestimmt alle unsere Deckel zahlt.

Ach so! – Wie die Redaktion aus gewöhnlich gut unterrichteten Kreisen weiß, wird das Gros der stolzen Brigade am Samstag im Kissingeneck in die Röhre schauen. Mit  Marcello, René und dem Redakteur dieses Anschnur-Magazins werden zur selben Zeit jedoch die wohl auswärts-erfahrendsten Brigadisten im Gästeblock der Kopfschmerzbank-Arena die Hertha vehement unterstützen. Schön, dass die beiden Lokalmatadore Peter und Chrissi die Getreuen mit in den Stadtwald begleiten. Für die Spieltags-Analysen im Kissingeneck und in der Mainmetropole gedenken wir dann hoffentlich gleichermaßen der großen Worte des unvergessenen Heinz Schenk: “Trinke nie zuviel, denn die letzte Flasche, die umfällt, könntest du selber sein.” (jö)

 
Jörsch posted at 2014-1-19 Category: Hertha BSC

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