Brigade Pankoff auf dem Weg zu echter Spiritualität

 

“Wer an die ewige Wiederkehr glaubt, verneint das Wertvollste, das es gibt: Die Einmaligkeit.”

(Manfred Schröder)

Der Vatertag oder Herrentag wird in verschiedenen Teilen dieses Planeten zu Ehren der Väter und Männer zu unterschiedlichen Zeitpunkten begangen. Leuchtendes Vorbild ist Bulgarien. Hier feiert man diesen Ehrentag am 26. Dezember, dem Geburtstag unseres Brigadechefs. Soviel Pragmatismus darf man hierzulande aber nicht erwarten. Traditionell wird der Herrentag in Deutschland bekanntlich an Christi Himmelfahrt gefeiert. Immer exakt vierzig Tage nach Ostern. Das würdige Begängnis dieses Feiertages in illustren Herrenrunden ist Ende des 19. Jahrhunderts in Berlin und Umgebung entstanden. Insbesondere die jüngeren Burschen sollten in die Sitten und Unsitten der Männlichkeit eingeweiht werden.

Doch die Brigade Pankoff wäre nicht die Brigade Pankoff, würde sie sich mit solch profanen Anliegen zufrieden geben. Nein, sie strebt wie immer mehr, in diesem Fall sogar Spirituelles an. Dazu muss man verstehen, welche Bedeutung Christi Himmelfahrt hat. Es geht um Folgendes: Das Grundereignis ist der Sieg. Gott zieht seinen Sohn heraus und empor. Dies ist ein Triumph über alle Mächte dieser Welt, ein Triumph, an dem alle Christen Anteil haben.* Es geht also um Bewahrung und Aufstieg. Beides ureigene Anliegen der Brigade Pankoff. Kein Wunder also, dass sich der traditionsbewusste Tross diesem religiösen Prinzip gerne anschließt und den Höhepunkt der Bittwoche vor den beiden letzten Spieltagen dieser Saison mit ganz speziellen Interessen im brandenburgischen Himmelpfort begeht. Danke Pille für Deinen Vorschlag, es gibt tatsächlich keinen würdigeren Ort, um den Herrentag zu begehen.

Quelle:„Himmelpfort Urmesstischblatt 2845-1825“ von von Beckendorff - Urmesstischblatt Preußische Kartenaufnahme Blatt Bredereiche 2845 1825 (Wikipedia)

Quelle:„Himmelpfort Urmesstischblatt 2845-1825“ von von Beckendorff “(Wikipedia)

Was erwartet die Brigade bei dieser außergewöhnlichen Auswärtsfahrt? Das Dörfchen Himmelpfort ist ein offiziell anerkannter Erholungsort im Landkreis Oberhavel mit so etwa 400 – 450 Einwohnern. Die Hauptattraktion des Örtchens ist das 1299 gegründete Zisterzienserkloster oder genauer gesagt, das dazugehörige Brauhaus, welches leider im Jahre 2010 durch einen Brand völlig zerstört wurde. Somit ist die Versorgungslage vor Ort [a) Brandenburg & b) Brauhaus abgebrannt] mit viel Wohlwollen als sehr minimalistisch zu bezeichnen. Solchen Herausforderungen begegnet das Organisationsteam um den ortskundigen Pille aber mit Leichtigkeit. Somit muss der geneigte Leser keinerlei Sorge um das leibliche Wohl der Brigade haben. Selbstkasteiung ist im Programm nicht vorgesehen. Es wird dank Pille und Josh – inklusive der 4-Sterne-Unterbringung in frisch restaurierten Eisenbahnwaggons – für alle Teilnehmer bestens gesorgt.

Feierlicher Höhepunkt wird im Übrigen der Besuch des Weihnachtspostamtes sein. Dort werden Herthaner und Pankoffa die Wunschpostkarte für einen Europapokalplatz der Hertha nach der kommenden Saison einwerfen. Die Redaktion wünscht wie immer gutes Gelingen.

Ach so, weshalb der Freitag nach Christi Himmelfahrt „Hagelfreitag“ oder „Schauerfreitag“ genannt wird, konnte vor Redaktionsschluss noch nicht mit letzter Sicherheit ermittelt werden. Wir bleiben dran. (jö)

 

* Zitiert aus Wikipedia – Artikel “Christi Himmelfahrt”

Gewachsen auf Beton – Marcello macht die 50 voll

 

“Wenn Du hinter zwei Hasen herläufst, fängst du keinen.”

(Englisches Sprichwort) 

Nicht ganz auf halber Strecke zwischen Golden Lounge und Magendoktor ist eine der prominentesten Wandmalereien unserer Hauptstadt zu sehen. An einer Hauswand direkt an der Ecke Pankstraße zur Badstraße im tiefen Wedding prangen die Konterfeis der drei Boateng-Brüder Jérôme, George und Kevin-Prince Boateng. Mit dem Slogan “Gewachsen auf Beton” vermitteln sie den harten Anfang ihrer doch sehr unterschiedlichen Erfolgsgeschichten. Im Sommer 2013 waren sie wieder für ein paar Tage im Kiez. Sie bolzten wie in alten Zeiten auf dem harten Belag an der Panke und verteilten grelle Hemdchen und bunte Sportschuhe eines amerikanischen Sportartikelherstellers. Das war ein gutes Signal an die Kids im Kiez. Da gibt es drei Burschen die sich am eigenen Schopf aus dem Sumpf gezogen haben. Nach vierzehn Tagen war die Marketing-Aktion vorbei und die Boateng-Brüder in weiter Ferne. Wenig ist übrig geblieben von der Geschichte. Nur das beeindruckende Wandgemälde bleibt erhalten.

Wer waren noch mal die Boatengs?

Wer sind bloß diese Boatengs?

Der Wedding kennt jedoch noch eine viel beeindruckendere Geschichte. Für viele von dort eine Art Liebesgeschichte. Hier ist bekanntlich der größte Fußballverein der Stadt gewachsen. Ganz in der Nähe der Wandmalerei war die Plumpe, seit 1904 die Heimstätte der Hertha. Der graue Platz vor dem S-Bahnhof Gesundbrunnen trägt den Namen des größten Berliner Fußballers: Hanne Sobek, ein wahrer Fußballgott. Hier sind die Wurzeln der alten Dame. An diesem Ort sind auch heute noch die Menschen zu Hause für die Hertha einst gegründet wurde. Einfache Leute genau wie Fritz und Max Lindner sowie Otto und Willi Lorenz, die irgendwo hier zwischen den Bezirken Wedding und Prenzlauer Berg als Jungs spielten und den Grundstein für diesen großen Traditionsverein legten. Hier ist nichts perfekt, aber Vieles nah am Leben. Der Fußball bleibt geerdet und ist kein Abziehbild aus einem Schokoriegel. Wer hier aufwächst, den Fußball liebt und ein Fünkchen Anstand besitzt, kann nicht anders und erklärt Hertha BSC zu seiner ersten und einzigen Liebe. Bezogen auf den Fußball natürlich. Schon klar.

So ein Mitbürger ist Marcello, der heute seinen 50. Geburtstag feiert. Marcello ist einer, der zwischen Rehberge und Humbolthain auch auf Beton gewachsen ist. Er schätzt Tradition und hält der alten Dame deshalb von Kindesbeinen an die Treue. Eines Tages wird diese Treue in einer von vielen Nackenschlägen geprägten Beziehung ganz bestimmt belohnt. Das und viel persönliches Glück wünscht Dir die Redaktion von Herzen zu Deinem Ehrentag. Doch aufgepasst: Wenn die alte Dame nach errungenem Erfolg dann mit Meisterschale oder Pokal vor Dir steht, ist ein Hase-Cherie vielleicht nicht die angemessenste Form der Ansprache. Egal, dein Porträt passt ganz wunderbar an die Hauswand in der Badstraße. Du bist eben ein echter Volltreffer. Bleib geschmeidig. (jö)

BP-Fantreue-Index © – Herthaner sind die treuesten Fans der Liga

 

“Kniet nieder ihr Bauern, die Hauptstadt kommt.”

(Hertha-Fanparole)

Hertha-Fans sind nach dem unbestechlichen Brigade-Pankoff-Fantreue-Index © die Nummer 1 im Land. Was wir immer schon ahnten, ist nun schwarz auf weiß nachzuvollziehen. Die Redaktion hat mit viel Akribie die notwendigen Daten und Fakten zu den 18 Bundesligavereinen zusammengetragen, um die treuesten Fans der 1. Fußball-Bundesliga zu ermitteln. In wissenschaftlicher Kleinarbeit wurden aus den vielen Informationen die wesentlichen herausgefiltert und in ein objektives Kennziffernsystem übertragen. Objektivität und Fairness spielten die entscheidende Rolle bei der Entwicklung des in seiner Art bisher einzigartigen Fantreue-Index. Nur ein nachvollziehbares und von Sympathien zu einzelnen Klubs unabhängiges Verfahren hat die Chance auf breite und nachhaltige Akzeptanz. “Niemand hat auf Dauer etwas davon, wenn hier getrickst wird”, betonte der unter dem Namen Jörsch bekannte geistige Vater der einzigartigen Methodik.

Objektiv ermittelt und für jeden nachvollziehbar

Der neue Index made in Pankoff berücksichtigt keine tagesaktuellen Fakten, da diese für die Bindung echter Fans und ihre langfristigen Überzeugungen irrelevant sind. Anhand der für jedes Fanlager in den Kategorien Leidensfähigkeit, Eventorientierung und Finanzperspektive ermittelten Einzelwerte wird jeweils ein Punktwert ermittelt. “Das Beste daran ist, dass wir gänzlich ohne Empirie auskommen und die Methode rein faktenbasiert aufsetzen können”, erläutert Jörsch weiter. Der beste Wert in jeder der drei Kategorien führt zu einem Punktwert von 100, während die Fans des Bundesligisten mit dem schlechtesten Wert leer ausgehen. Die Ergebnisse der übrigen Fanlager werden im relativen Abstand zwischen diesen beiden Polen indexiert und kommen so in die Punkte. Die Punktzahl in allen drei Kategorien wird gewichtet (Leidensfähigkeit mit 0,35 / Eventorientierung mit 0,15 / Finanzperspektive mit 0,5). Die gewichtete Gesamtpunktzahl entscheidet über die endgültige Platzierung im BP-Fantreue-Index ©.

Mit einem Indexwert von 93,786 Punkten sind Herthaner die treusten Fans der Liga.

Mit einem Indexwert von 93,786 Punkten sind Herthaner die treusten Fans der Liga.

Herthaner sind mit Abstand die leidensfähigsten Fans

Die Anhänger der alten Dame zeigen mit einem Wert von 4,255 in der Kategorie Leidensfähigkeit einen signifikanten Vorsprung vor allen anderen Fanlagern. Lediglich die Fans des SC Freiburg können hier mithalten. Ausschlaggebend für den enorm hohen Wert ist die lange Wartezeit auf einen Titel (84 Jahre) und die Zahl der Abstiege aus der ersten Bundesliga (6). Demgegenüber werden die Anhänger des FC Bayern München regelmäßig mit Titeln überhäuft. Das Bekenntnis zum Verein fällt also besonders leicht. Die Rote Laterne in dieser Wertung geht klar nach Fröttmanning.

1 – Leidensfähigkeit = (Zeit seit letztem Titelgewinn oder Vereinsgründung in Jahren x (1 + Zahl der Abstiege aus der 1. Bundesliga x 0,5))/Mittelwert aller 18 Vereine

Münchner Anhänger genießen den Platz an der Sonne

Die Schlachtenbummler des Bundesliga-Neulings aus der westfälischen Kirchenenklave stehen am wenigsten im Verdacht reine Eventfans zu sein, daher ist deren maximale Punktausbeute in der Kategorie Eventorientierung nachvollziehbar. Mit Abstand hat Bayern München die meisten Erfolge im deutschen Profifußball aufzuweisen und lockt damit die Schönwetterfans in Scharen an. Die Fans der Hertha erzielen in dieser Wertungskategorie mit 67 Zählern ihren niedrigsten Punktwert. Von hohem Einfluss ist hier die gute Platzierung in der ewigen Bundesligatabelle und die bestechende Erfolglosigkeit vieler Erstligisten (u. a. Mainz und Augsburg).

2 – Eventorientierung = ((53 – Platzierung in der ewigen Bundesligatabelle + Anzahl der Meistertitel + Anzahl der Pokalsiege + Anzahl der Europäischen Titel x 5) x Retortenfaktor 1 oder 2*)/Mittelwert aller 18 Vereine

Retortenclubs haben die käuflichsten Anhänger

Die Wertungskategorie Finanzperspektive wird anhand des Lizenzspieleretats der Vorsaison in Relation zur Mitgliederbasis und zum erreichten Zuschauerschnitt ermittelt. Es zeigt wie empfänglich bzw. abhängig die jeweiligen Anhänger für große Namen und Budgets sind. Bei den Aufsteigern aus Köln und Paderborn kommen methodisch noch deren Lizenzspieleretats für die 2. Bundesliga zum Einsatz, was das Bild leicht verzerrt. Diese Kategorie entscheiden die Fans des 1. FC Köln für sich. Die Herthaner finden sich mit 98 Punkten im Ranking jedoch wiederum sehr gut positioniert. Das gute Abschneiden der Anhänger des FC Bayern liegt trotz des mit Abstand größten Lizenzspieleretats an der breiten Mitgliederbasis und dem hohen Zuschauerschnitt.

3 – Finanzperspektive = ((Lizenzspieleretat der Vorsaison/Mitglieder + Lizenzspieleretat der Vorsaison/Zuschauerschnitt bei BL-Heimspielen der Vorsaison)/2 x Retortenfaktor 1 oder 2*)/Mittelwert aller 18 Vereine

*) Der Retortenfaktor 2 kommt bei einem Verstoß gegen die 50+1-Regel zur Anwendung. (jö)

Brigade Pankoff wünscht allen ein barrierefreies neues Jahr

 

“Es gibt bereits alle guten Vorsätze, wir brauchen sie nur noch anzuwenden.”

(Blaise Pascal)

Die alte Dame bleibt verhalten optimistisch.

Die Redaktion wünscht allen wahren Fußballfans und natürlich auch denen, die mit Fußball weniger anfangen können, alles erdenklich Gute für das neue Jahr. Was dürfen wir erwarten? Erst einmal den Klassenerhalt der Hertha. Das muss schon sein! Einen Sieger im Brigade-Kicktipp. Sowieso! Das Jahr 2015 ist aber auch das Jahr in dem der Jahrgang 1965 ein halbes Jahrhundert vollmacht. Auch zwei Mitglieder der Brigade trifft es. Sie werden diesbezüglich dem mit dem zuletzt veröffentlichten Artikel geadelten Josh folgen. Unauffällig und zurückhaltend so wie es ihre Art ist. Habt ein Herz und stützt sie, wenn sie am Olympiastadion die Treppen rauf müssen, und helft ihnen am Magendoktor um Gottes willen über die Straße. Bemerkenswert, dass die beiden ihre Rundungen und Jahresringe mit soviel Prominenz teilen können. Die großartige Nadja abd el Farrag, die schon vergessene Birgit Homburger, Veronica Ferres in der Rolle ihres Lebens und nicht zuletzt die beiden Design-Vorbilder der Brigade Harald Glööckler und Guido Maria Kretschmer: alle gehören diesem fantastischen Jahrgang 1965 an und werden im neuen Jahr 50. Es wird also regelmäßig etwas zu feiern geben und am Ende vielleicht auch den Einzug in den Europapokal. Wenn das kein Ausblick ist. Bleibt geschmeidig ihr Getreuen! Bis denne. (jö)

Brigade Pankoff ehrt den Leader der Herzen

 

“Pessimisten sind die wahren Lebenskünstler, sie erleben dauernd positive Überraschungen.”

(Marcel Proust)

Eine Hommage (frz. homme, lat. homo, „Mensch“) ist ein öffentlicher Ehrenerweis, meist auf eine berühmte Persönlichkeit, der man sich verpflichtet fühlt. Oft stehen die Urheber einer Hommage selbst in der Öffentlichkeit. Danke Wikipedia für diese Einleitung, ihr seid eh grandios. Mit der Person, der der nun folgenden Ehrenerweis gelten soll, ist es ebenso. Dass die Brigade Pankoff in der Öffentlichkeit steht, war bekannt. Die Brigade Pankoff gibt es aber vor allem Dank der zu ehrenden Person. Geehrt werden soll unser “Leader” Josh, der heute einen Erfahrungsschatz von einem halben Jahrhundert sein Eigen nennen kann. Glückwunsch lieber Josh, du bist ein prima Kerl, bleib geschmeidig und lass es Dir gut gehen.

Lok-Logo-altern

Quelle: Wikipedia

Bekanntlich sind Fußballfans ihrer ersten Liebe immer Treu. Das ist auch in Deinem Fall so. Als Mensch und Fußballfan bist du in Leipzig der Stadt der Helden gewachsen und hast Dir dort Deine Sporen als Lokist verdient. Das ist in der Brigade Packoff nichts Ungewöhnliches,  die meisten von uns drücken heute neben der alten Dame einem weiteren Herzensverein die Daumen. Das ist auch gut so. Wir zeichnen uns eben durch Offenheit aus. Der Redaktion ist zudem seit wenigen Wochen bewusst, dass man als Ostdeutscher sowieso immer zwei Vereine hatte. An dieser Stelle sei deshalb zur Ehren Joshs freimütig an die Erfolge von Lok Leipzig erinnert, die der durch seine konterstarke Spielweise berühmte Verein insbesondere in den Pokalrunden der nationalen und europäischen Wettbewerbe in den 70er und 80er Jahren erzielte. Pokalsieger 1976, 1981, 1986 und 1987; Halbfinalist im UEFA-Cup 1974 und -unvergessen- Finalist im Europapokal der Pokalsieger 1987. Im Finale unterlag Leipzig nur denkbar knapp gegen Ajax Amsterdam mit 1:0. In der Meisterschaft, vergessen wir mal das Thema “Schandelfmeter”, reichte es aus eigener Kraft bis zur Vizemeisterschaft 1967, 1986 und 1988. Vielleicht haben diese Erlebnisse unseren Jubilar stark geprägt und zu dieser entwicklungsfähigen Grundannahme beigetragen, was den Glauben an den Erfolg der eigenen Mannschaft betrifft. Egal, der Redaktion stehen weitere Deutungen nicht zu. Lok Leipzig hat jedenfalls gezeigt, dass es keines Brause-Herstellers bedarf, um in Mitteldeutschland erfolgreich Fußball spielen zu können.

Als erste und leider immer noch letzte persönliche Begegnung mit Deinem Verein ist dem Redakteur dieses Anschnurmagazins Sonntag, der 27. Oktober 1993 in Erinnerung. Zum besseren Verständnis ist zu erwähnen, dass die Lokschen am 1. Juni 1991 den Namen “VfB Leipzig” annahmen. Im Zentralstadion von Leipzig trat an besagtem Tag der 1. FC Kaiserslautern vor einer Kulisse von etwa 11.000 Zuschauern in der 1. Bundesliga an. Am Frühstückstisch im mehr als 600 Kilometer entfernten Rheinböllen stimmten die Eltern des Verfassers dieser Zeilen an diesem Tag seiner spontanen Idee zu, dass das Geschirr in die Spüle zu stellen sei und alle nach Leipzig zum Bundesligafußball fahren. Zwanzig Jahre zuvor war der Redakteur selbst das letzte Mal “drüben” gewesen und wollte es nun als junger Mensch hautnah erleben; die ungebrauchten Bundesländer und jenes legendäre Stadion in dem Fritz Walter sein Hackentor erzielte. Er wollte auch die Helden in der eigenen Verwandtschaft wiedersehen, die 1989 für die Freiheit auf die Straße gingen. Onkel, Tanten, Cousin und Nichte – übrigens alle Lokisten – wurden zu deren freudiger Überraschung – bereits zur Kaffeezeit angetroffen. Nachdem ordentlich auf die Besserwessis geschimpft wurde, fand man sich gemeinsam gegen 18 Uhr im Zentralstadion ein. Als das Ost-West-Gespann auf dem Hinweg das riesige Stadion zu Fuß umkreiste, um in die richtigen Blocks zu gelangen, teilte der Vater des Redakteurs nebenbei mit, dass  dieses Stadion nach dem Krieg aus Schutt und Trümmern entstanden sei und er als junger Mann beim Aufbau geholfen habe. Das größte deutsche Stadion ist unter der Mitwirkung des eigenen Vaters entstanden. Gänsehaut. Unerwartet und ganz plötzlich entstand eine familiäre Bindung zu dieser Spielstätte. Dank dichtem Nebel hatten in dieser Riesenschüssel aber alle nur sehr wenig vom Spiel. Glücklicherweise gab es auch nichts zu sehen, denn es vielen keine Tore.

Lieber Josh, der Redaktion ist nicht bekannt, ob Du an diesem Tag im Stadion wahrst. Du könntest es aber ruhig zugeben, denn die gegnerischen Fanlager waren in dem riesigen Oval soweit auseinander, dass man sich inklusive mehrerer Mokkalöffel alles Mögliche an den Kopf hätte werfen können. Diese kleine Geschichte gehört jetzt Dir. Pass gut auf sie auf.

Zum Ende dieses Artikels möchte sich die Redaktion für die vielen Freundschaftsdienste bei Dir bedanken. Nicht ganz uneigennützig wünscht Dir die Redaktion neben einem langen und erfüllten Leben für die zweite Hälfte Deiner Karriere als Hertha-Fan, dass uns schon in zehn bis zwanzig Jahren die gegnerischen Schlachtenbummler abschätzig als Erfolgsfans herabwürdigen. Träumen darf man ja mal. Weißt Du eigentlich,was Optimisten und Pessimisten gemeinsam haben? Beide halten diese Welt für die beste aller möglichen. Dabei lassen wir es erst einmal bewenden. “Josh, Du bist ein Teufelskerl!”, rufe ich Dir zu und Du weißt, dass sich dahinter in zweifacher Hinsicht ein Kompliment verbirgt. (jö)

Pankoffa düpiert Fred und dominiert den Brigade-Pankoff-Kicktipp

 

“Nur ein verzweifelter Spieler setzt alles auf einen einzigen Wurf.”

(Friedrich von Schiller)

Es soll wieder aktiver werden auf dieser Plattform. Versprochen. Nach einem Drittel der abgelaufen Saison startet dieses Vorhaben heute mit einer Würdigung des laufenden Kicktipp-Spiels der Brigade Pankoff beziehungsweise ihrer erfolgreichen Tipper. Zur Entstehung: Das Tippspiel wurde zur laufenden Bundesligasaison von unserem im angelsächsischen Royal Tunbridge Wells weilenden Jungbrigadier Bastensen zwei Stunden vor Anpfiff des ersten Spiels der neuen Bundeligasaison eingerichtet. Der Tipp hat es aus dem Stand dank viraler Effekte auf neun Teilnehmer gebracht. Diese positive Resonanz macht die Veranstalter optimistisch, weshalb wir schon jetzt für die nächste Saison von einem zweistelligen Teilnehmerfeld ausgehen. Sowas spürt man einfach. Erwähnt werden muss, dass das noch junge Tippspiel zwischenzeitlich eine Regeländerung erfahren hat. Aufgrund nachvollziehbarer Eingaben aus der Tippgemeinschaft sollen seit dem 7. Spieltag nur noch 8 von 9 Partien getippt werden. Damit ist ein Tipp gegen den eigenen Herzensverein entbehrlich und das Störgefühl beim Daumendrücken für den eigenen Club ist Geschichte. Mit den von einigen Tippern in letzter Zeit angeregten Strategieverboten (z. B.  Beschränkung der 2:1-Tipps) wird sich der Veranstalter aufgrund des fortgeschrittenen Stadiums der Tipprunde allerdings erst in der nächsten Saison befassen.

Jetzt aber zu den Zwischenergebnissen: Trotz vereinzelt festzustellender Tipprückstände (Weisser Perle und Stellares sind hier zu bedauern) liegt das Feld noch relativ eng zusammen. Souverän führt Pankoffa seit dem 8. Spieltag die Tabelle an und kommt aktuell auf fast utopisch anmutende 124 Punkte. Ein Erfolg den wir ihm gönnen, schließlich ist er mit Blick auf den Auswärtssupport für unsere alte Dame mit seinen Fahrten nach Schalke und Köln ebenfalls tonangebend. Fred, der das Feld zuvor nach Belieben mit einer ins Gegenteil verkehrten Effizienz des gleichnamigen brasilianischen Starstürmers beherrschte, bleibt dem guten Pankoffa mit 113 Punkten auf den Fersen. Auf Platz 3 rangiert Herthaner mit 110 Punkten, der sich mit beachtenswerter Stetigkeit in das glamouröse Spitzentrio vorgearbeitet hat. Die ersten vier und bisher einzigen Bonuspunkte konnte sich Bastensen mit seinem Tipp zur ersten Trainerentlassung (Slomka beim HSV) sichern. Glückwunsch auch dazu. Die folgende Analyse zeigt die hohe Akzeptanz und den spannenden Verlauf der Platzierungen bis zum 12. Spieltag.

Kicktipp VerlaufSollte Pankoffa im Geiste schon die ein oder andere Flasche des von der Redaktion ausgelobten Kasten Bieres nebst Pfeffi öffnen, wäre dies mit Sicherheit verfrüht. Es ist in diesem verrückten Tippspiel noch längst nichts entschieden. Das Feld liegt wie bereits zum Ausdruck gebracht mit 92 bis 124 Punkten noch ganz dicht zusammen und es werden bis zum Saisonende schätzungsweise noch etwa 200 – 300 Punkte vergeben. In dem Zusammenhang ist zur Selbstmotivation der Tipper die folgende Grafik von hohem Interesse. Diese ermöglicht einen qualifizierten Vergleich der Erfolge der einzelnen Tipper an den unterschiedlichen Spieltagen.

Kicktipp Struktur

Dass sich ganz schnell etwas tun kann, hat Auf Achse mit sensationellen 19 Punkten am 6. Spieltag eindrucksvoll gezeigt. Das ist der bisher dominanteste Tagessieg. Die Jury hat sich spontan dazu entschieden in der Kategorie “Höchster Tagessieg” eine Flasche Pfeffi auszuloben. Diese Trophäe soll für zusätzliche Motivation sorgen und wäre nach dem bisherigen Stand auch in der Reichweite von Herthaner (18 Punkte am 5. Spieltag) und Fred (17 Punkte am 1. Spieltag) gewesen. Übrigens hat den dreckigsten Tagessieg in passender Weise der leitende Redakteur dieses Anschnur-Magazins mit nur 7 Punkten am 2. Spieltag einfahren können. Sieg ist Sieg. In diesem Sinne wünschen wir der alten Damen noch einige – gerne auch dreckige – Siege.  (jö)

Brigade Pankoff gelingt Königstransfer des Sommers

 

“Ich mache nie Voraussagen und werde das auch niemals tun.”

(Paul Gascoigne)

Nach John Fitzgerald jetzt auch Peter: “Ich bin ein Berliner.”

Aufatmen in Berlin. Tristesse in Frankfurt am Main. Mit diesen beiden Sätzen ist der Königstransfer dieses Sommers perfekt umschrieben. Lange hat die Brigade Pankoff um die Rückkehr des Charlottenburgers an die Spree gebuhlt. Jahre, Monate und viele Wochen. Nun kommt er wirklich und entscheidet sich noch vor der anstehenden Weltmeisterschaft für die Bundeshauptstadt Berlin. Die Rede ist nicht von Hegeler, Stocker oder Plattenhardt. Auch nicht von Lasogga, dem triumphalen Retter des Hamburger Sportvereins. Nein, die Rede ist von einem, der die spannendste Bundesligasaison seines Lebens hinter sich hat und sich über den fortgesetzten Lauf des Zeitmessers im Volksparkstadion zu Hamburg wie kein Zweiter freut. Ab dem 1. September 2014 hat das Warten ein Ende. Die Mainmetropole verliert nach Goethe den zweiten großen Denker ihrer Stadtgeschichte. Doch Häme kommt nicht auf, denn unsere Freude überwiegt. Die Redaktion heißt Peter in Berlin herzlich willkommen und beglückwünscht ihn zum spontanen Erwerb einer Dauerkarte für die kommende Saison im Olympiastadion. So sorgt Peter für lange Gesichter in Köpenick und spielt sich gleich in die Herzen der Brigade. Am anstehenden Herrentag werden wir dank dieses Königstransfers noch zuversichtlicher in die neue Saison blicken. Ha, ho, he! (jö)

Brigade Pankoff fordert Artenschutz für den großen HSV

 

„I might have been born in Liverpool – but I grew up in Hamburg.“

(John Lennon)

Die Brigade Pankoff macht sich morgen auf den Weg in das Krisengebiet nach Hamburg. Der HSV bestreitet eines der vielen Endspiele, um das Abstiegsgespenst abzuschütteln und ist deshalb brandgefährlich. – Tja, so sollte mal die Einleitung für einen spektakulären Artikel zum Brigadeausflug nach Hamburg lauten. Es war ja auch ein tolles Wochenende Anfang Februar. Nur für Peter nicht, der sich als HSV-Fan in unserer Mitte aber dennoch ganz wohl gefühlt hat. Unsere Hertha obsiegte mit 3:0 und das ganz locker und völlig verdient. Trotzdem war es ein Sieg über den wir uns nicht richtig freuen konnten, denn der Dino gehört zur 1. Bundesliga wie ein Ball zum Fußball. Was soll denn der HSV in der 2. Bundesliga? Sollen unsere Kinder und Enkelkinder ohne einen HSV in der ersten Liga aufwachsen? Nein, die Redaktion mag nicht daran denken.

Gefahrenpotential: Mit Abstieg des HSV verlernen Kinder den Bezug zu Dinosauriern.

Ein Spiel mit dem Feuer: Mit dem Abstieg des HSV verlieren Kinder den Bezug zu Dinosauriern.

Ganz schön intensiv waren die verschiedenen Anreisen der Brigadisten in die Hansestadt. Nach dem Motto “Never change a professional driver!” trafen sich Josh und der Redakteur am U-Bahnhof Pankoff mit Marcello, um von ihm in seinem großem Wagen nach Hamburg chauffiert zu werden. Es ging schnurstracks auf den Berliner Ring, um an der Ausfahrt Oranienburg Pille einzusammeln. Dieser hatte seine Jungfernfahrt in Sachen Brigade vor sich und verhielt sich dennoch ganz tiefenentspannt. Unser umsichtiger Brigadeführer hatte vorgesorgt und kredenzte den Mitfahrern beste Brauerzeugnisse aus der geografischen Mitte Deutschlands. Zu deutlichen Verzögerungen der PKW-Anfahrt kam es, weil der mit dem Biergenuss einhergehende Drang zum Wasserlassen zunahm und manch einem auch schwerfiel. Die Vorhut der Brigade erreichte Hamburg gleichwohl gegen Mittag und bezog die beiden luxuriösen Zimmer, die für uns in Altonas Schanzenstern reserviert waren. Ohne schuldhaftes Zögern ging es in eine 500 Meter entfernte Kölsch-Kneipe am Bahnhof Altona. Lautern gucken war angesagt.

In die Sportsbar mit Geißbockwimpel trudelte wenig später auch Peter ein, der mit dem ICE aus der Mainmetropole anreiste und als einziger HSV-Fan in unserer Runde Zuflucht fand. Nach ein paar verstohlenen Blicken der Hamburger Fans zu uns und umgekehrt kam es im Laufe des frühen Nachmittags zu aufschlussreichen Gesprächen mit weit angereisten Fans des HSV. Wir konnten mit unserer Wertschätzung für derartige Vereinstreue nicht hinterm Berg halten und sammelten Pluspunkte. Nebenbei lernten wir dazu und durften erfahren, was es mit den “Tierquälern” so auf sich hat.

Ingo und Täve nutzten währenddessen die Dienste unseres Hauptsponsors und machten es sich in einem altersgerechten Hertha-Fanzug gemütlich. Der Genuss von Kaltgetränken und laute Partymusik soll die beiden zur puren Ekstase getrieben haben. Telefonate der Redaktion mit den Getreuen waren jedenfalls ohrenbetäubend. Gelegentlich soll auch bei diesen tapferen Brigadisten das Bedürfnis der Notdurft in den Mittelpunkt ihres Denken und Handelns gerückt sein. Beim Schlangestehen vor dem Bord-WC verhalf ihnen aber ihr entrückt-jugendliches Antlitz zu Barrierefreiheit und echten Positionsvorteilen. Ein reifes Alter muss eben nicht immer ein Nachteil sein.

Rechtzeitig vor dem Anpfiff des Spiels erreichten alle Akteure erfolgreich das Volksparkstadion und bezogen Stellung in den jeweiligen Blöcken. Wir sahen ein gutes Spiel der Hertha gegen eine völlig verunsicherte Hamburger Mannschaft. Die alte Dame gewann bekanntlich nach einem Tor von Allagui und zwei Toren von Ramos mit 3:0. Alle Treffer vielen in der 1. Halbzeit. Die Schlüsselszene des Spiels war ein Elfmeter für den HSV, der nach etwa einer Viertelstunde von Schiedsrichter Aytekin vergeben wurde. Ramos trat an und Adler parierte den Elfer mit einem sensationellen Reflex. Es war dann schon typisch für die Serie von Pleiten, Pech und Pannen, dass die Hamburger den Rückenwind des abgewehrten Elfmeters nicht nutzen konnten. Unmittelbar nach dem Elfer folgte ein Eckball: Allagui kam aus dem Nichts und drückte den Ball über die Linie. Die Körpersprache der Hanseaten ließ keine Gegenwehr mehr erkennen. Fast absehbar musste der Dino die weiteren Treffer von Ramos hinnehmen und war damit noch gut bedient. Die Hamburger Fans versagten die Unterstützung und entließen ihre Mannschaft mit einem Pfeifkonzert in die Halbzeit. Den zweiten Durchgang hätte man sich sparen können, da unsere alte Dame keinen allzu großen Drang mehr nach Vorne verspürte und dem HSV nichts Entscheidendes mehr einfiel. Nach der 8. Heimniederlage des HSV kam Untergangsstimmung auf. Die HSV-Uhr tickte derweil weiter.

Im Anschluss an das Spiel sammelten wir uns vor dem Durchgang zum S-Bahnhof Stellingen zum Bier. Wir erwiesen Peter und dem Rest der Hamburger, die bei uns strandeten, unsere Ehrerbietung und spendeten Trost. Ingo und Täve begleiteten wir anschließend zum Hamburger Hauptbahnhof von wo sie ihre beschwerliche Rückreise nach Berlin antraten. Der Rest der Brigade zog mit Peter ins Schanzenviertel und tauchte in der Raucherkneipe Möllers zur Millieustudie ab. Von einem bekifften Spinner bis zu einem distinguierten älteren Herrn, der in seiner Jugend mit Uwe Seeler in einer Jugendmannschaft des HSV spielte, reichte die Spanne des Publikums. Spät in der Nacht genossen wir gleich gegenüber vom Möllers einen der besten Döner den diese Republik hervorbringt und betteten unser Haupt zur Nachtruhe.

Dass die Autofraktion überhaupt nach Berlin zurückkam, ist dem Einsatz des ADAC zu verdanken. Ein gelber Engel brachte Marcellos gutmütiges Ross wieder zum Traben. Die Brigade Pankoff ist dafür bekannt, dass sie gegen den Mainstream Position bezieht. Daher danken wir dem ADAC-Kollegen, der aus unserer Sicht ein kleines Wunder vollbracht hat. Danke!

Monate später wird nun dieser Artikel endlich fertig. Soeben hat der HSV am 32. Spieltag gegen die Puppenkiste verloren und hat damit die Vorlage der Hertha vom Vortag nicht genutzt. Die Relegation wird damit augenblicklich zum realistischen Saisonziel für den HSV. Zu den verbleibenden beiden Spielen dieser Saison wünscht die Brigade dem HSV maximalen Erfolg. Wir drücken die Daumen, dass die Stadionuhr im Volkspark weiterläuft und am 24. August 2014 völlig unaufgeregt auf 51 Jahre Bundesligazugehörigkeit umspringt. Toi, toi, toi. (jö)

Mutti Tuchel legt dem Thomas Käse auf’s Pausenbrot!

 

“Wenn mein Sohn von Frankfurt nach Mainz reist, so bringt er mehr Kenntnis heim als andere aus Amerika.”

(Catharina Elisabeth Goethe)

Käsestüllchen

Bääh! Heute wieder Käsestüllchen!

Wenn unser aller Mutti einem Minister das volle Vertrauen ausspricht, dann unterschreibt der Bundespräsident schon mal prophylaktisch eine Entlassungsurkunde. Sobald das Management eines Fußballvereins sich voll hinter den eigenen Trainer stellt, wird es sehr eng um den Fortbestand seines Dienstverhältnisses. Sowohl in der Politik als auch im Fußball verläuft der Austausch der Vordenker zumeist in einem wochenlangen Wechselreigen mit den Medien. Die Redaktion der Brigade Pankoff hat ein sensibles Gespür für derart delikate Entscheidungen. Wir hören schon immer das Gras wachsen und legen den Finger bewusst in die Wunde des heutigen Gegners. Wir stellen uns die Frage, mit welchem Hintergedanken sich der durchaus bodenständige und sympathische Christian Heidel als Manager des FSV Mainz 05 eine “Tuchel-Tabelle” angelegt hat. In  dieser Punktetabelle, die mit dem Amtsantritt Tuchels vor viereinhalb Jahren beginnt, belegt der Karnevalsverein nach den in der ersten Liga erzielten Punkten hinter München, Dortmund, Leverkusen und Schalke den fünften Platz. Das wird den gemeinen Mainzer angesichts der Leere im Trophäen-Schrein des eigenen Clubs vielleicht etwas aufmuntern. Wir machen uns jedoch konkrete Sorgen um den Namensgeber dieser Tabelle. Nach den eingangs skizzierten Mechanismen ist es wahrscheinlich, dass mit dieser Lobhudelei der Entlassung dieses gefühlten Weltausnahmetrainers Vorschub geleistet werden soll. Wir steigen vorsichtig in den von Heidel begonnenen Wechselreigen ein und fragen mit einer Prise Weitsicht ganz investigativ: “Ist Thomas Tuchel nach der Niederlage gegen Hertha BSC noch zu halten?”

Die treuen Leser unserer Seiten wissen, dass Trainer-Bashing eigentlich nicht so wirklich unsere Art ist. Wir hätten unsere Frage auch noch gerne eine Woche oder gerne auch sieben Tage zurückgehalten. Der Zeitpunkt ist insoweit ideal, weil jeder Fußball-Manager in Deutschland in dieser Woche sowieso zum Nachdenken über sein trainierendes Personal gezwungen wurde. Kein geringerer als Matthias Sammler – der Pep Gardiola beim FC Bayern eigentlich überflüssig macht – hat just in dieser Woche mit bescheidenen Worten das Erfolgsgeheimnis des FC Bayern preisgegeben. Sammer hat sinngemäß ausgeführt, dass sich der Erfolg beim FC Bayern allein aus dem akribischen Training erklärt, welches eben nur der FC Bayern jeden Tag zeigt. Ein Training nach der Art als würde würde es kein Morgen geben. Diese klare Botschaft an die 53 Minderleister in den drei Bundesligen muss bei diesen zur Erkenntnis führen, dass der Rekordmeister auch mit dem Personal und Budget von Energie Cottbus dank der Sammer-Methode des akribischen Trainings eine Meisterschaft nach der anderen feiern würde. Auf einen Versuch würde sich die Redaktion riesig freuen.

Nach kurzem Nachdenken über das Training der Hertha freuen wir uns, dass die alte Dame seit 2012 auf Jos Luhukay baut. Wir wünschen den Herthanern am heutigen späten Nachmittag viel Erfolg. Die eigenen Tuchel-Statistik der Redaktion zeigt übrigens, dass die Karnevalstreter vom Rhein immer verloren haben, wenn die Mutti ihrem Thomas ein Käsestüllchen in die Brotdose zur Halbzeitpause gepackt hat. Das soll heute wieder so sein. Ha, ho, he. (jö) 

Retrospektive Frankfurt – Der Tragödie letzter Teil

 

„Du willst es doch auch.“

(Lebensfreude pur)

Sehr schön war der Brigadeausflug nach Frankfurt. Danke noch einmal ganz offiziell an Peter, Chrissi und Melli. Es war einer der gepflegten Herrenausflüge, die die Mitgliedschaft in unserer Brigade so attraktiv machen. Ein ausgefeiltes Kultur-Programm hatten sich die bereits erwähnten Wahl-Frankfurter einfallen lassen. Noch vor dem Spiel ging es am Samstag ins Senckenberg-Museum, um unsere und Ronnys Vorfahren zu studieren. Kurz entschlossen haben wir dann noch vor dem Spiel das Goethe-Haus besucht und dort intensiv die Faust’sche Verblendung im Kontext des aktuellen Menschseins diskutiert. Schnell waren wir einer Auffassung, dass die Intention Goethes es nicht gewesen sein kann, dass wir uns die Verblendung des Geistes gegenseitig vorwerfen. Diese Art von Verblendung gehört zu unserem Dasein, davon war die Reisegesellschaft überzeugt. Somit ist es unsinnig, ausgerechnet im kommerziellen Fußball anti-faustische Helden zu verlangen.

Inside Kopfschmerzbank-Arena

Inside Kopfschmerzbank-Arena

Im Zuge dieser nüchternen Erkenntnis ging es dann zum Estadio in den Frankfurter Stadtwald. Das Spiel in der Kopfschmerzbank-Arena war lausig und bot letztlich nur traurige Helden auf. Unsere Hertha trickste sich gegen defensive Frankfurter bereits in der 36. Minute mit einer unfreiwilligen Vorlage von Skjelbred auf den Frankfurter Meier selbst aus. Das 1:0 der Zwietracht hielt bekanntlich bis zum bitteren Ende. Den zweiten und letzten Höhepunkt im Spiel bildeten dann die Ereignisse in der 72. Minute. Ramos dringt gegen Zambrano in den Strafraum ein. Dabei bekommt er den Ellenbogen seines Gegenspielers ins Gesicht. Schiedsrichter Dr. Drees gibt den fälligen Elfmeter aber nicht und lässt Zambrano weiterspielen. Ronny regt sich daraufhin auf und schubst Russ weg, wofür er die Gelbe Karte sieht. So ungerecht kann es zugehen.

Nach dem Spiel gab es jedoch keine Zeit zur Trauer. Schnurstracks ging es zu einer Performance nach Bernem. Bei kulinarischen Köstlichkeiten aus der türkischen Küche gab es dann auch die ersten sinntrübenden Getränke. Der unsichtbare Künstler, dessen Glaskunst mehrfach in den Mittelpunkt unserer Perspektive gestellt wurde, beschränkte sich in seinem Werk fast aus­schließ­lich auf die Grund­ele­mente der lebendigen Ge­stal­tung — Gefäß, Inhalt, Hebel, Leere. Schon nach kurzer Zeit ließ sich die Brigade anstecken und wurde in pu­ris­ti­scher Strenge in die Performance eingebunden. Es entwickelte sich ein eigentümliches Abbild der eigenen Wirklichkeit, was sich dem Betrachter und aufmerksamen Zuhörer insbesondere in zahllosen Gesprächen mit dem Frankfurter Bildungsbürgertum in den lokalen Kunststätten “Lebensfreude pur” und “Straßenbahn” manifestierte. Mit einem tiefsitzendem Stachel lässt sich wohl am ehesten die Seele des Frankfurters beschreiben, wenn dieser sich ernsthaft um eine blau-weiße Retrospektive bemüht.

Nach dieser geistig erfüllten Nacht traten René, Marcello und der Redakteur gegen Mittag des nächsten Tages die Rückreise ins heimatliche Berlin an. Mit null Punkten im Gepäck und behindert durch Schneefall nahm uns eine widerspenstige Windschutzscheibe immer wieder die Sicht auf die Welt. Sechs Tage später ist der zwischenzeitlich geklärte Blick wieder auf das nächste Spiel gerichtet. Nürnberg gilt es am Sonntag zu schlagen. Wieder eine Chance um der Geburt wahrer Helden beizuwohnen. Ha, ho, he!

Wir widmen diesen Beitrag unserem Gastgeber Peter und gratulieren ihm ganz herzlich zu seinem heutigen Geburtstag! (jö)